BL: Letzter Hanfladen macht dicht

Anfang 2007 wird es im Baselbiet keinen einzigen Hanfladen mehr geben. Doch das liegt kaum am kantonalen Hanfgesetz. Sowieso: Ob Kiffen für Erwachsene straffrei werden soll, entscheidet sich auf Bundesebene.

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02.12.2006 PATRICK MOSER

«Kiffen ist auf jeden Fall weniger schlimm», sagt Alain Vollenweider. Der 41-jährige Hanfladenbesitzer sitzt an einem Pültchen in der Ecke seines «Hanfparadies» in Liestal und zündet sich eine Zigarette an. Er kann nicht verstehen, wieso Polizei und Justiz ausgerechnet beim Hanf tabula rasa gemacht haben, wo doch Alkohol, Ecstasy und schlimmere Substanzen bei den Jugendlichen auf dem Vormarsch sind.

So oder so: Am 23. Dezember schliesst das Hanfparadies nach acht Jahren seine Pforten definitiv. Es ist der letzte reguläre Hanfladen im Baselbiet. «Ich war der erste und ich bin auch der letzte», sagt Vollenweider nicht ohne Stolz.

Hanfläden: von über 30 auf null

Zur Hoch-Zeit der Hanfblüte vor drei Jahren zählte das Baselbiet über 30 Shops. Wenn das restriktive kantonale Hanfgesetz, das mit 70 Prozent Ja-Stimmen angenommen wurde, am 1. Januar 2007 seinen ersten Geburtstag feiert, werden es null sein. Doch das liegt nicht am Hanfgesetz, sondern ist das Ende einer Entwicklung, die von zahlreichen Polizei-Razzien eingeläutet wurde. Selbst Regierungsrätin Sabine Pegoraro sagt: «Gestützt auf das Hanfgesetz wurden bis heute noch keine Läden geschlossen.»

Siro Imber, der damals im Abstimmungskampf als Präsident der Jungfreisinnigen Baselland gegen das Gesetz gekämpft hatte und heute für die FDP im Landrat sitzt, hält das Gesetz darum auch heute noch für überflüssig: «Wer meint, die Mafia frage nach einer Bewilligung für den Hanf-Verkauf, verkennt die Lage », sagt er. Tatsächlich ging bis heute kein einziges Gesuch für den Vertrieb THC-haltiger Produkte ein.

Ob heute die Luft auf den Baselbieter Schulhöfen weniger Hanfrauch enthält, ist nicht belegt. «Aufgrund der zahlreichen Rückmeldungen von Lehrern bei Polizei und Jugendanwaltschaft hat sich die Situation an den Schulen gebessert», sagt Pegoraro. Doch konkrete Abklärungen wurden nicht gemacht.

Comeback auf Bundesebene

Imber hält das Hanfgesetz nach wie vor für eine teure und nutzlose Übung: «Die Trendumkehr in Sachen Hanf hätte auch so stattgefunden. Pegoraro sagt zwar, dass die Repression keinesfalls selektiv, sondern auf alle illegale Substanzen angewendet werde, gibt aber auch zu: «In der öffentlichen Wahrnehmung stand Cannabis im Vordergrund, weil es ein politisches Thema auf Bundesebene war.»

Und dort wird es bald auch wieder zum Thema: Die Volksinitiative «Für eine vernünftige Hanfpolitik mit wirksamem Jugendschutz» wurde vergangenen Januar eingereicht. Im Expertenbeirat des Initiativkomitees sitzen unter anderen Polit- Schwergewichte wie Claude Janiak, Hans Fünfschilling oder Jörg Schild.

Die Initiative will Straffreiheit für erwachsene Kiffer und zugleich die Jugendprävention stärken. Zu den Befürworten gehört auch Imber: «Das ist für mich die Basis für eine vernünftige Lösung.» Werde Hanf kontrolliert abgegeben, könne der Staat eine Steuer erheben und mit dem Geld die gesundheitlichen Auswirkungen regulieren. Vollenweider frohlockt: «Wird die Initiative angenommen, kann man das Baselbieter Hanfgesetz rauchen.»