Biel: Hanfläden im Visier der Polizei

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Mittwoch, 4. Oktober 2006 David Gaffino Übersetzung: Pierre Leduc

Wieder sind die Hanfläden im Visier der Ordnungshüter. Die revidierte kantonale Verordnung zum Betäubungsmittelgesetz bestimmt, dass die Regierungsstatthalter für die Schliessung von Geschäften zuständig sind, die illegalen Handel mit Cannabisprodukten betreiben. Die Anzeigen der Polizei führen nun immer öfter zur Bestrafung und sogar zu Ladenschliessungen. Die Kontrollen werden weiter-geführt. Demnächst wird sich der Regierungsstatthalter mit etlichen Polizeiakten zu befassen haben.

In einer ersten Aktion zwischen November 2004 und März 2005 wurden 18 Hanfläden kontrolliert, wobei Dutzende von Kilos an Cannabisprodukten und grosse Geldsummen beschlagnahmt wurden. Mehrere Ladenbetreiber erhielten Verwarnungen. Einige Hanfshops wurden sofort geschlossen. Nach Angaben der Kantonspolizei haben seither etliche Hanfläden wieder unter anderem Namen oder mit neuem Eigentümer eröffnet. Am vergangenen Dienstag und Mittwoch fanden nun Razzien in sechs Läden statt. Wieder wurden Bargeld und Cannabisprodukte sichergestellt. Neun Personen wurden vernommen und angezeigt. Es handelt sich dabei sowohl um Shopinhaber als auch um Angestellte.

Biel: «Cannabis-Hochburg»

Vor nicht allzu langer Zeit galt Biel als ein regelrechtes «Mekka» des schweizerischen Cannabishandels. Dieses Image scheint noch zu bestehen. «Unsere Patrouillen nehmen im Berner Jura gelegentlich Franzosen fest, die sich in Biel mit Stoff eindecken», berichtet der Sprecher der Kantonspolizei, Olivier Cochet. «In der Stadt klagen Anwohner über zusätzlichen Autoverkehr in der Nähe gewisser Hanfläden.»

Der konsequentere Vollzug des Gesetzes hat offenbar Biels zweifelhaften Ruf als «Cannabis-Hochburg der Schweiz» gemildert, auch wenn der Handel weiterläuft. «Mit der neuen kanto-nalen Gesetzgebung kann der Drogenhandel selbstverständlich nicht abgeschafft werden», meint Daniel Suter, juristischer Sekretär am Regierungsstatthalteramt. «Das müsste schon über das Bundesgesetz geregelt werden. Immerhin sind die Regierungsstatthalter nun klar befugt, illegal arbeitende Shops zu schliessen. Damit soll verhindert werden, dass sich gewisse Geschäftsinhaber mit Drogenhandel bereichern. Wir sind auf gutem Wege, das Ziel zu erreichen.»

Die Behörden wollen die Jugendlichen schützen: «Jetzt müssen diese Verkaufsstellen im Versteckten operieren. Jugendliche werden nicht mehr direkt durch frei zugängliche Shops zum Kauf von gesundheitsschädigenden Substanzen animiert», freut sich Suter. Nicht alle angezeigten Hanfshops werden vom Regierungsstatthalter geschlossen: «Es gibt einige Fälle, die man wohl eher als Ausrutscher ansehen muss», meint Daniel Suter. «Gewisse Verkäufer waren offenbar der Überzeugung, dass der Handel mit Cannabisprodukten angesichts der vielen existierenden Hanfshops inzwischen legalisiert worden sei.»

In den «goldenen Zeiten» bis zum Jahr 2005 gab es in Biel 30 bis 40 Hanfläden. Der Polizeisprecher kann die verbleibende Anzahl von Hanfshops nicht beziffern, stellt aber einen Rückgang fest. «Der Kampf geht weiter», erklärt Daniel Suter. «Die Kantonspolizei steht an der Front.»