Cannabiskonsum: Regulierung statt Repression

Die Eidgenössische Kommission für Drogenfragen (EKDF) setzt sich weiterhin für einen straflosen Cannabiskonsums ein.

Der THC-Gehalt ist in den letzten Jahren gestiegen und die gesundheitlichen Risiken sind besser bekannt. Der Konsum hat sich insgesamt auf hohem Niveau stabilisiert, vereinzelte Anzeichen sprechen für einen rückläufigen Trend. Grundlegende neue Erkenntnisse liegen nicht vor. Die Kommission bleibt deshalb bei ihrer Empfehlung, den Cannabiskonsum grundsätzlich nicht zu bestrafen und setzt sich für ein Regulationsmodell ein, bei dem der Konsum von Cannabis in bestimmten Situationen oder an zu bezeichnenden Orten als Übertretung mit Busse bestraft werden kann (z.B. Konsumverbot in öffentlichen Räumen oder auf dem Schulareal).

Zu diesem Ergebnis kommt die EKDF im Rahmen der Aktualisierung des Cannabisberichts von 1999, der dem Bundesrat als eine Grundlage für den Vorschlag zur Revision des Betäubungsmittelgesetzes (BetmG) diente. Bis heute konnte die Bestrafung der Konsumenten den Erfolgsnachweis nicht erbringen und Erfahrungen im Alkohol- und Tabakbereich zeigen, dass mit Regulierungsmassnahmen der Jugendschutz verbessert werden kann.

Keine Verharmlosung von Cannabiskonsum

Die Folgen des Cannabiskonsums zeigen, dass eine Verharmlosung nicht gerechtfertigt ist – ebenso wenig wie bei anderen psychoaktiven Substanzen. Die Schädlichkeit des Cannabisrauchs für die Lungen ist erwiesen und höher als beim Zigarettenrauchen. Eine generelle Zunahme der Gefährdung für die Einzelnen oder die Gesellschaft lässt sich daraus aber nicht ableiten.

Veränderung des Produkts Cannabis

Die Kosumraten sind seit etwa 2002 stabil, andeutungsweise sogar rückläufig. Der Wirkstoffgehalt von Cannabisprodukten hat aber zugenommen. Die Auswirkungen sind gesamthaft schwer zu beurteilen. Erfahrene Konsumierende rauchen offenbar weniger, um die gewünschte Wirkung zu erzielen und belasten damit ihre Lungen in einem kleineren Ausmass. Bei Unerfahrenen können dagegen unangenehme Folgen und Panikzustände ausgelöst werden. Abhängigkeiten können zwar entstehen, sind aber nicht die Regel. Cannabis und psychische Erkrankungen: Der Zusammenhang zwischen Cannabiskonsum und einem erhöhten Risiko für psychische Erkrankungen ist mittlerweile belegt. Unklar ist jedoch nach wie vor, ob nun Cannabiskonsum das Risiko für psychische Erkrankungen erhöht, oder ob Menschen mit psychischen Problemen eher dazu neigen, Cannabis zu konsumieren. Fazit: Die EKDF kommt vor dem Hintergrund dieser Ergebnisse zum Schluss, dass trotz einer nach wie vor ungelösten Cannabisproblematik Prävention und Therapie unter den Bedingungen eines streng regulierten Marktes wirkungsvoller wären als unter den Bedingungen der aktuellen Prohibition.

Studie: Cannabis 2008: Lagebeurteilung und Empfehlungen der Eidgenössischen Kommission für Drogenfragen (Kurzversion) Die Publikation ist in französischer und deutscher Sprache auf der EKDF Homepage www.psychoaktiv.ch aufgeschaltet.

Eidgenössisches Departement des Innern EDI Eidgenössische Kommission für Drogenfragen EKDF Medienmitteilung, 07.01.2008