"Der Schweizerische Lehrerinnen- und Lehrerverband anerkennt, dass Erwachsenen der Umgang mit Drogen zugemutet werden kann"

2003/10/17 - Der Bund
Für besseren Jugendschutz

Sollte das Kiffen legalisiert werden, wollen Lehrer mehr Geld für Prävention.

Der Schweizerische Lehrerinnen- und Lehrerverband (LCH) präzisiert seine Haltung zum Cannabis-Konsum. Im Januar hatte sich der LCH über die steigende Zahl von "beduselten" Schülerinnen und Schülern im Unterricht besorgt gezeigt und erklärt, die Lehrerschaft sei nicht bereit, dies hinzunehmen, weshalb sie sich gegen das Kiffen zur Wehr setze.
In der neusten Ausgabe der Verbandszeitschrift "Bildung Schweiz" knüpft der LCH die Legalisierung des Cannabis-Konsums an Bedingungen. Falls das Kiffen erlaubt werde, müsse ein wirksamer Jugendschutz sichergestellt und die Prävention massiv verstärkt werden. Der LCH anerkenne, dass Erwachsenen der Umgang mit Drogen zugemutet werden könne. Deshalb und weil nicht durchgesetzte Verbote allen pädagogischen Grundsätzen widersprächen, könne Verständnis für die Legalisierungsdebatte gezeigt werden.
Angesichts der stark gestiegenen Wirkstoffkonzentrationen und der massiven wirtschaftlichen Interessen verlange die Lehrerschaft aber Verständnis für ihre Sorgen. Die Schule sei vom Problem kiffender Schüler gleich dreifach betroffen. Einerseits nehme die Zahl jener Schüler zu, die in ihrer Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt seien. Zudem reichten die Mittel für eine wirkungsvolle Prävention kaum aus. Schliesslich müssten auch Lösungen für jene Schüler gefunden werden, deren Verhalten nicht mehr tolerierbar sei.
Viel mehr als Aufklärung könne die Schule nicht betreiben, heisst es weiter. Sie sei keine Therapieanstalt und auch "keine Ausnüchterungs-, Nachschlaf- und Nachfütterungseinrichtung". Deshalb müsse sie vermehrt die normal arbeitsfähigen Schüler schützen.
Bei der Revision des Betäubungsmittelgesetzes, die der Nationalrat in der Herbstsession an den Bundesrat zurückgewiesen hat, müsse deshalb der Jugendschutz bezüglich Anbau, Verkauf und Konsum so wirksam wie möglich gefasst werden. Bei einer allfälligen Cannabis-Legalisierung müssten bedeutende Mittel aus den Verkaufserlösen für die Prävention abgeschöpft werden.