Eidgenössische Drogenpolitik: Der offene Drogenmarkt, die Szene meldet sich zurück

Runder Tisch zur Grossen Schanze

In einem Bericht zu einem SP-Vorstoss hält der Gemeinderat fest, dass sich Passanten und Passantinnen auf der Grossen Schanze «nach wie vor verunsichert» fühlen.

http://www.derbund.ch (bob) 27.08.2009

Während der Nacht seien «periodisch Dealende anwesend», und es komme wiederholt zu Gewalttätigkeiten und Vandalismus. Diese Erkenntnis hält der Gemeinderat in einem Prüfungsbericht zu einem SP-Vorstoss fest, worin die Belebung des Areals und eine Erhöhung der Polizeipräsenz gefordert werden. Trotz verstärkter Präsenz von Polizei und Gasseninterventionstruppe Pinto habe sich die Situation «leider nicht nachhaltig gebessert», schreibt der Gemeinderat. An einem runden Tisch haben diesen Sommer die Anrainer des Areals die Problematik analysiert. Im Hinblick auf einen zweiten runden Tisch werden nun in den Untergruppen Sicherheit, Angebot (Restaurant, Spielplätze) und Ordnung (Putzen, Parkordnung, Littering) Vorschläge zur Verbesserung erarbeitet, sagt Stefan Schwarz, Generalsekretär der Direktion für Tiefbau, Verkehr und Stadtgrün (TVS). Als erste Sofortmassnahme sei vor den Sommerferien die Beleuchtung zwischen Lift und Schanzenbrücke sowie Lift und Universität provisorisch verbessert worden.

Gefühle der Ohnmacht

«Am Tag funktioniert die Grosse Schanze recht gut», sagt Konrad Guggisberg, der als Geschäftsführer der Quartierkommission Länggasse (QLä) in einer der Arbeitsgruppen mitarbeitet. Die Belebung des Areals in der Nacht hingegen sei eine «komplexe Angelegenheit», da mit Stadt, Kanton, SBB und Grosser Schanze AG zahlreiche Eigentümer vorhanden seien. «Etwas machtlos» sei man auch, weil es auf der Grossen Schanze letztlich auch um eidgenössische Drogenpolitik gehe. «Solange es einen Drogenmarkt gibt, wird er in der Nähe des Bahnhofes stattfinden», sagt Guggisberg. Mit einem rein repressiven Vorgehen könne allenfalls eine Verschiebung der Szene erreicht werden. Bereits heute gebe es ein «Hin und Her» zwischen Reitschule und Grosser Schanze – je nachdem, wo die Polizei gerade auftrete.

Ein bauliches Problem sind laut Guggisberg die Zugänge zum Areal, die verwinkelt und unübersichtlich seien. Eine nachhaltige Verbesserung dürfte diesbezüglich erst mit dem Umbau der Schanzenpost erreicht werden. Die Parkanlage soll dereinst direkt vom geplanten Neubau her zugänglich sein. Der Stadtrat wird Anfang September über den Bericht des Gemeinderates zur Grossen Schanze befinden. (bob)