Feed-Back eines Canatrade-Besuchers

2004/03/23 - E-Mail von einem Canatradebesucher

Den positiven Eindruck der Messe zu kommentieren ist mir kaum möglich, da die Eindrücke das Papier bei weitem überfordern. Die Überraschung in Bezug auf die organisatorischen Eigenschaften der anwesenden Aussteller war im äußersten Maße beeindruckend. Im Zuge der Begleitung von Arzt... aus Wien, ist auch viel in politischen Visionen erfolgt, dass auch weitere neue Einsicht für mich eröffnet hat. Auch das Fehlen von aggressiven Marketingeinflüssen habe ich als sehr positiv empfunden. Die Themen wurden offen präsentiert - ohne die versteckten Mechanismen. Ein soft kapitalistisch angegangenes Event mit großen zukünftigen und wirtschaftlich harmonischen Ideen, wie auch unabschätzbare Möglichkeiten für eine neue Form einer wohlproportioniert wirtschaftenden Gesellschaft. Kaum anwesende rein marktwirtschaftliche Züge, die Details gut konfiguriert, kein politisches Wirrnis, keine linksradikale Befangenheit. Intellektuelle Bereitschaft in den Details -Gesprächsbereitschaft und Aufmerksamkeit, trotz oft sehr hektischem Treiben an den besuchten Ständen der Neuheiten.

Alles in allem - man muss diese Eindrücke wesentlichen Punkten zuordnen um sich nicht zu verlieren. Dies ist auch gut so, da jeder nur dort wirken sollte, wo er seinen Bedarf erkennt und seine Fähigkeiten nutzbringend sind. Dies ist in allen Strömungen ein wesentlicher Faktor für eine erfolgreiche Umsetzung. Die Konkurrenz unter den Teilnehmern, sofern dies einem bestimmten Quantum entsprechen sollte, wirkte ausgewogen und zumindest für den Besucher nicht sofort erkennbar. Eine bestimmte neue Form der Zusammenarbeit war erkennbar. Ein de aggressiv kapitalistisch orientiertes Verkaufsgespräch mit intellektuellem Gedankenaustausch bezüglich selbigem Wissen über notwendige Veränderungen. Allerseits konnte man dies feststellen. Dies unter der Präsentation, dass noch zuzüglich das Cannabis dabei geraucht wurde und der Kaffee nicht mit schnellem Koffein einen gesellschaftlich aggressiven Event bestimmte, war für mich als erstmaliger Besucher ein eindrucksvolles Marketing, wenn man dies überhaupt so bezeichnen kann.

Mein Dasein prägt eine konservative österreichische Kindheit in den davon politisch begleiteten sozialpartnerschaftlich orientierten Jahrzehnten. Dies war eine ruhige Politik, denn der Staat und seine Ideen waren der geistige Motor. Nach der Hochzeit des Marxismus und des Kapitalismus in Österreich war der Krieg bald vergessen, während die Geschichte Österreichs zu Lande noch heute im drüben wandelt. Viele orientalische Aufenthalte im Zuge der beruflichen Tätigkeit meiner Familie öffneten auch globales Wissen und Einsichten, die in meinem Land nicht gegeben waren.

Das Leben unterliegt heute gänzlich anderen Elementen. Mein jugendlicher Abstecher ins grüne Geäst war in den 80igern eine fatale Enttäuschung. Meine Ansichten wurden weder ernst genommen noch kritisiert, da in Österreich die "Grüne Szene" in den 80iger und 90iger Jahren sich in zwei Lager teilte, die nur um Ihre jeweils eigene Überzeugung nachdachten, wie auch viele schon damals eher sozialistisch mehr an Ihre persönliche Karriere und Ihr Auskommen dachten, als einer zukunftsorientierten Politik geisteswissenschaftliche Türen zu öffnen. Was wir heute Juppies nennen, waren damals Jugendliche aus dem Gemeindebau. Die Jugend in den 70iger und 80igern war natürlich erst auf der Suche Ihrer Identität, da der Nachkriegsgeneration dies im Rahmen Ihrer Wiederaufbaufunktion verwehrt blieb. Das Leben war Arbeit und der fleißige Arbeiter wurde zum Häuslbauer und Wochenendhausbesitzer. Vieles ist auch politisch bewirkt worden von denen die nicht nach oben wollten, aber wenig wurde im Grunde weitergetragen. Wir waren damals schon glücklich, dass wir mehr Freiheit verbuchen konnten, als viele junge Menschen in der Schweiz zu dieser Zeit. Holland war für viele ein Kultbesuch und es wurde in den sich stetig vermehrenden Alternativlokalen in Österreich viel diskutiert. Dennoch: Der Schweizer ging unkontrolliert auf die Fähre in Marokko - der Österreicher wurde perlustriert.

Heute steht das Klientel der 40igjährigen unpolitisch frustriert im Abseits. Dienen war nicht die Frage und das Wissen war nicht gefragt. Die politische Verantwortung wurde dem Regime getreuen Menschenschlag von unflexiblen und familiär gut ausgestatteten jungen Menschen überlassen, die auf Anraten Ihrer Eltern einen pragmatisierten Job anstrebten. Diese Klientel trägt heute die Maßanzüge aus Baumwolle, die in Indien nicht aus Hanf hergestellt werden und sie sitzt heute an den Schubregeln der machtvollen Entscheidungen. Diese Menschen haben den Titel und alle Ausbildungen je nach Bedarf und sind heute völlig ausgebrannt. Die 80 - 20 Gesellschaft zieht überall ein und dies rasch.

Die intellektuellen kapitalorientierten Sozialdenker aus dieser Zeit hielt man für zu extrovertiert und abgehoben um Sie politisch auszustatten. Da Sie auch marktwirtschaftlich dachten hat man hat diese Generation erfolgreich von den gesellschaftlichen Entscheidungen in Österreich ferngehalten und dies folglich auch Europaweit. Heute sind die Folgen deutlich erkennbar. Rechts ist starr und rationalisiert unsozial, denn alles steht im Verzug. Quereinsteiger kommen frisch von der UNI, kennen die Wirtschaft, aber nichts aus dem sozialem Bereich des Lebens. Sozial wird diskutiert, aber nichts wesentlich zustande gebracht, da alles pickt und die Vernetzung völlig fehlt - außerdem ist man in der Mitlifecrisis. Keine Vordenker, keine vernehmbar geistigen Stimmen oder Strömungen existieren in den großen regierenden Parteien, schlussendlich ist auch keine bürgernahe Vertretung mehr vorhanden. Kein denkender Mensch wird jahrelang Zettel verteilen um nach vielen Jahren des Wartens auch weiterhin nichts einbringen zu können. Die Medien regieren unser Land. Die Politik ist nur ein marktorientiertes Geschäft und wird auch so finanziert. Sie funktioniert nur noch durch den Dollar und jetzt aus dem Euro um nicht zu vergessen das Pfund und nicht mal mehr das ist uns sicher in Zukunft. Uns steht nur noch der Wahlzettel zur Verfügung, auf den wir wie Analphabeten unsere Kreuze machen. Wir stehen nun vor den Ruinen dieser vergangenen Zeit und sind seit jeher der Gewissheit, die sich heute bestätigt, während die alte und junge Garde im Katzenjammer die Sparpakete unserer Schulden schnürt. Die Verantwortlichen sind in Pension auf Gran Canaria und erfreuen sich den hohen Renditen Ihrer Anlagen. Der Rest von Ihnen klebt noch auf den letzten Sesseln und will sich vor dem Ruhestand nicht mehr bewegen, während sich die Globalisierung unkontrolliert einem Gau nähert und eine weltweite Völkerwanderung ausgelöst hat. Menschen werden verfolgt - Länder werden zu Gefängnissen umgebaut ( Rumänien ) und werden noch zuzüglich von den Steuergeldern des Westens finanziert. Letztendlich ist vor einem Jahr der 3 Weltkrieg eröffnet worden, während die Mütter Europas mit Ihren Kinderwagen in Wien und in Bern und überall in der noch reichen Welt zwanglos in den Parks die Teuerung des Euro diskutieren, als wäre alles noch so wie gestern.

Eine Welt der Gegensätze ist heute mehr erkennbarer denn je und wenn dieses Szenario jemals zu stoppen ist, dann sicherlich durch Aktionen, die unter anderem diese Hanfmesse repräsentierten. Damit meine ich nicht nur das Produkt Hanf, dass ist klar. Eine völlig neue kulturelle Auseinandersetzung muss geschaffen werden, die diesem Podium das Fundament stellt. Gesehen auf dieser Messe! Dafür wird vieles an Arbeit noch notwendig sein. Die derzeitige Lage ist politisch ebengleich kritisch, wie sie sich auch in den problematischen Umgang mit der vielfältigen Pflanze darstellt, der diese Messe gewidmet war. Dieser Spiegel der politischen Unentschlossenheit wird vielen Menschen in der Legalisierungsphase noch zu großem menschlichen Leid verhelfen. Letztlich gesehen in Wien vor unserer Abreise. Alle Hanfladenbesitzer wurden kurz vor Reiseantritt in die Schweiz aus Sicherheitsgründen verhaftet um eine Vertretung Österreichs an diesem internationalen Kongress zu verhindern. Wären die Gegensätze in einen politischen Dialog gebettet, wäre dies nicht so erfolgt. Bürokratische Gewalt im Zentrum der sogenannten freien Welt, die von einer Bush-Regierung neuerdings auch noch vor dem Bösen unter Schutz gestellt ist.

Mit den freundlichsten Grüßen