Führt Cannabis-Konsum zu Schizophrenie?

Eine Studie der Universität Zürich, die behauptet, es gebe eine Verbindung zwischen Cannabis-Konsum und dem Entstehen von Schizophrenie, hat in der Schweiz eine Debatte ausgelöst.

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25 juillet 2007

Forscher haben unter jungen Leuten der liberalen 1990er-Jahre eine auffallend hohe Schizophrenie-Rate festgestellt. Allerdings sei unklar, wie viele dieser Patienten Cannbis konsumiert hätten, sagen kritische Stimmen.

Die Studie hat Daten von 8000 Patientinnen und Patienten des Kantons Zürich untersucht, bei denen zwischen 1977 und 2005 erstmals Schizophrenie aufgetreten ist.

Dies traf vermehrt in den 1990er-Jahren bei den Altersgruppen zu, die häufig Cannabis rauchen.

Laut der am Montag veröffentlichten Studie trat die Krankheit bei Männern zwischen 15 und 19 Jahren drei Mal häufiger, bei Männern zwischen 20 und 24 zwei Mal häufiger auf als im Durchschnitt.

Wie Wulf Rössler, Co-Autor der Studie gegenüber swissinfo sagte, beweisen die Resultate eine direkte Verbindung zum Cannabis-Konsum: "Wir wissen aus anderen experimentellen Studien, dass Cannabis eine Psychose bewirken kann, doch jetzt haben wir zum ersten Mal einen klaren Hinweis auf Schizophrenie."

Bei gelegentlichem Rauchen der Droge erhöhe sich das Risiko nicht, aber bei täglichem Konsum während Jahren steige das Risiko zwei bis drei Mal. "Das Risiko, an Schizophrenie zu erkranken, hat eine direkte Beziehung mit der Häufigkeit des Drogenkonsums", führt Rössler aus.

Nicht überzeugt

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) ist allerdings nicht überzeugt von der Studie und verweist auf einen weiteren plötzlichen Anstieg von Schizophrenie in der Mitte der 1980er-Jahre und die Tatsache, dass die Drogengeschichten der Patienten und andere medizinische Details ungeklärt bleiben.

"Die Studie kann die Krankheitsgeschichten der Patienten nicht aufzeigen, etwa den Konsum von psychotischen Substanzen oder anderen Faktoren, die zu psychotischen Erkrankungen führen", schreibt das BAG in einem Communiqué.

Der Zusammenhang zwischen Schizophrenie und Cannabis-Konsum sei noch nicht bewiesen, heisst es.

Ambros Uchtenhagen, ein Drogenexperte im Institut für Sozial- und Präventivmedizin in Zürich, begrüsst den Bericht, meldet allerdings Vorbehalte gegen die Ergebnisse an.

"Die Resultate sind rein hypothetisch und sollten nicht missbraucht werden, insbesondere nicht für politische Zwecke, um zu sagen, dass Cannabis mit Sicherheit Schizophrenie verursache", sagt Uchtenhagen gegenüber swissinfo.

Warnung an gefährdete Personen

"Niemand weiss, ob diese Personen jemals Cannabis geraucht haben. Es ist eine interessante Hypothese und eine Einladung, genauer zu untersuchen, was wirklich geschah", sagt Uchtenhagen weiter.

Die schweizerische Fachstelle für Alkohol- und andere Drogenprobleme (SFA) findet die Hypothese "ziemlich einleuchtend", aber nicht bewiesen. Sie verweist auf andere Untersuchungen, die eine Beziehung zwischen Cannabis-Konsum und Schizophrenie annehmen.

SFA-Sprecherin Gerlind Martin warnt anfällige Leute vor dem Experimentieren mit Drogen: "Junge Menschen, die in der Entwicklung stecken, und Erwachsene in schwierigen Lebenssituationen sollten keine Drogen konsumieren, auch kein Cannabis."

P.S.

swissinfo, Matthew Allen (Übertragung aus dem Englischen: Susanne Schanda)

http://www.swissinfo.org/ger/swissinfo.html?siteSect=881&sid=8052333