Re: [MAP-DE] Haschisch macht anfällig für Heroin
Hier mal vielleicht 2 etwas ernsthaftere Gedanken.
1. Interessant die Frage wie es sich bei gleichem Aufbau mit Nikotin oder Alkohol verhielte jetztmal statt Cannabis. Und dann auch gleich warum nicht dazu auch geforscht wird. Ich vermute da nämlich einen etwas allgemeineren Mechanismus dahinter und so liesse sich das auch verifizieren.
2. Die Empirie spricht dagegen. Dazu steigen wirklich viel zu wenige um.
MfG Ox
Fragt sich nur warum es dann immer mehr Cannabiskonsumenten gibt, die Zahl der Heroinkosumenten aber nicht (wie laut Studie eigentlich zu erwarten) steigt...
Moin,
vfd wrote:
Haschisch macht anfällig für Heroin
Im Rattenversuch wirkt Cannabis als Einstiegsdroge
Es ist schon lange bekannt, dass THC die Wirkung von Opiaten verstärkt. Es wird auch schon länger erforscht, ob durch eine gleichzeitige Vergabe von THC mit Opiaten bei einer niedrigeren Dosierung die gleiche Wirkung wie bei alleiniger Opiat-Vergabe erreichen lassen (siehe unten). Diese Wirkung tritt aber nur dann auf, wenn man kurz hintereinander THC und ein Opiat zu sich nimmt. Für jemanden der zwar kifft, aber keine Opiate zu sich nimmt, ist das Ergebnis der Studie also völlig belanglos. Erst wenn beide Drogen parallel konsumiert werden, tritt dieser Effekt auf. Ziel der Drogenpolitik sollte also sein den parallelen Konsum von THC und Opiaten möglichst zu verhindern. Sprich eine Trennung des Cannabis- und des Opiat-Marktes.
Nur am Rande:
Diesen Effekt machen sich ja nicht wenige Substituierte zu nutze, indem sie zusätzlich zum Opioid gern noch was kiffen. Höchst praktisch: nach THC wird i.d.R. beim DrugScreening (auf Beigebrauch) nicht gefahndet.
Die kiffenden Substies - so sie keinen anderen Beigebrauch tätigen - kommen, wie man von vielen behandelnden Medizinern immer wieder hört, meist überdurchschnittlich gut klar. Vermutlich screent man auch deswegen nicht.
Gruss Mathias
IACM-Informationen vom 1. März 2003:
***Wissenschaft: Schmerzen
Es ist bekannt, dass die schmerzlindernden Wirkungen der Opiate bei Tieren durch
THC verstärkt werden. In einer neuen Studie haben Wissenschaftler gezeigt, dass
die Verstärkung von entweder Morphium oder Codein durch THC größer als additiv
war. Die Wissenschaftler folgerten: "Diese Befunde legen nahe, dass die
Verwendung eine Niedrigdosis-Kombination von Schmerzmitteln eine sinnvolle und
wirksame Herangehensweise an die Schmerzbehandlung darstellt und weiterer
Untersuchung bedarf." (Quelle: Cichewicz DL, McCarthy EA. J Pharmacol Exp Ther
2003 Mar;304(3):1010-5)
***Wissenschaft: Toleranz gegenüber Morphium
Die Toleranz gegenüber Morphium wurde bei Mäusen durch die gleichzeitige Gabe
von THC reduziert. Eine chronische Behandlung mit hohen Dosen oralen Morphiums
verursachte eine dreifache Toleranz der schmerzlindernden Wirkungen. Der
Morphium-Toleranz wurde in den Gruppen, die eine tägliche Zusatzbehandlung von
nicht schmerzlindernden Dosen THC erhalten hatten, vorgebeugt. In weiteren
Experimenten zeigten die Wissenschaftler, dass Mäuse, die chronisch mit Morphium
behandelt worden waren nicht kreuztolerant auf THC waren. "Zusammengefasst kann
die gleichzeitige Behandlung mit einer Kombination aus Morphium und Delta-9-THC
klinisch nützlich sein, indem die langzeitige Wirksamkeit von Morphium erhalten
bleibt." (Quelle: Cichewicz DL, Welch SP. J Pharmacol Exp Ther 2003 Feb 11.)
tschoe, Jan.
P.S.
Pubdate: 06. 07. 2006
Source: Die Zeit
Contact: zeitiminternet at zeit.de
Copyright ©: Die Zeit
Website: http://www.zeit.de
Webpage:
http://www.zeit.de/online/2006/28/c...
Vom Joint an die Nadel
Ist Cannabis eine Einstiegsdroge? Das schien als Ammenmärchen enttarnt. Jetzt bekommt die These aber massive Unterstützung aus der Forschung. Von Kathrin Zinkant
© Zeit online
In der Debatte ums Kiffen sind die Fronten ziemlich festgefahren. Die einen halten die medizinischen Risiken für gering und setzen sich für eine Legalisierung der so genannten weichen Drogen ein. Die anderen fordern, auch schon den Konsum von Haschisch mit drastischen Mitteln zu bekämpfen, um die in ihren Augen ernsten gesundheitlichen und sozialen Folgen einzudämmen. Entsprechend gespalten sind die Meinungen darüber, ob Cannabis die Anfälligkeit für andere illegale Drogen erhöht.
Zwar ist ein Zusammenhang kaum noch von der Hand zu weisen. Doch nicht das Cannabis selbst sei daran schuld, meinen Befürworter des freien Kiffens. Sondern eben die Schublade der Illegalität, in der das Kraut zusammen mit Heroin und anderen Drogen steckt. Wer in sie greift, um an seinen Joint zu kommen, gerät viel leichter in Kontakt mit härterem Stoff, als wenn man Gras oder Peace im Supermarkt kaufen könnte. Ein soziologischer Effekt, kein biologischer - so die These.
Während unterdessen immer mehr Jugendliche Cannabis konsumieren, kommt die Wissenschaft jetzt aber zu ganz anderen Resultaten: Schwedische Forscher zeigen in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins Neuropsychopharmacology, dass der Wirkstoff Tetrahydrocannabinol (THC), der in Cannabis enthalten ist, das Gehirn sehr wohl anfälliger für Opiate macht - und dass dies gerade für das sich entwickelnde Hirn von Teenagern Folgen hat. Maria Ellgren und ihre Kollegen vom Karolinska-Institut in Stockholm schließen das aus Versuchen an Ratten, die sich mithilfe eines ausgefeilten Trainingssystems selbst Opiate verabreichen konnten - Hebel mit der Schnauze drücken, und der Stoff floss durch eine Kanüle ins Blut.
Alle untersuchten Nager entwickelten auf diesem Weg eine Abhängigkeit. Doch bevor die Tiere auf Heroin gebracht wurden, hatte ein Teil von ihnen regelmäßig eine kleine Dosis THC bekommen - und zwar in einer Entwicklungsphase, die dem menschlichen Jugendalter entspricht. Diese Kifferratten zeigten später ein klar verstärktes Suchtverhalten: Während sich ihre THC-unerfahrenen Kollegen auf eine bestimmte Dosis Heroin trainieren ließen, entwickelten die vorpräparierten Ratten eine zunehmende Gier nach dem harten Stoff - sie verbrauchten schließlich zwei Drittel mehr Heroin.
In den Gehirnen dieser Tiere fanden die Wissenschaftler später eine deutliche Veränderung des Belohnungssystems, einem Signalnetzwerk, in dem körpereigene Cannabinoide und Opioide eine zentrale Rolle spielen. Es vermitteln gleichzeitig auch die Abhängigkeit von harten Drogen. Die erhöhte Konzentration an Opioidrezeptoren und eine veränderte Produktion von Botenstoffen in den Nervenzellen bestimmter Hirnreale der Kifferratten zeigte, dass der frühe THC-Konsum der Ratten tatsächlich biologische Spuren hinterlassen hatte - das Belohnungssystem brauchte wegen seiner veränderten Chemie deutlich mehr Drogen, bis es einen Zustand von Zufriedenheit vermitteln konnte.
"Dieser Ansatz ist wirklich neu", sagt Falk Kiefer von Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim über die schwedische Studie. "Es ist die erste Arbeit, die zeigt, dass der jugendliche Cannabiskonsum biologische Auswirkungen auf Empfänglichkeit gegenüber anderen Drogen hat". Insbesondere der Versuchsaufbau überzeugt den leitenden Oberarzt der Mannheimer Suchtklinik. Denn obwohl es sich um einen Tierversuch handele und nicht um ein Experiment mit Menschen, könnten die Ergebnisse direkt auf uns Zweibeiner übertragen werden. "Das Tiermodell ist mit dem Menschen ausgeprochen gut vergleichbar, denn das Belohnungssystem im Gehirn ist stammesgeschichtlich stark konserviert", erläutert Kiefer. Er wünscht sich mehr solcher Tierexperimente, denn an Menschen könne man derlei Versuche natürlich gar nicht durchführen.
Besonders wichtig für den Drogenfachmann: Obwohl die Autoren der Studie darauf hinweisen, dass weitere Faktoren wie genetische oder soziale Einflüsse auch weiterhin ihren Anteil an einer verstärkten Anfälligkeit für Drogen haben, ist den Legalisierungsbefürwortern dennoch ein Argument abhanden gekommen. Denn: "Diese Studie zeigt den Zusammenhang im Tiermodell, wo es keine Illegalität gibt." Andere Effekte dagegen seien auch in den Rattenmodellen gut zu erkennen. "Diese Modelle zeigen auch die akuten Folgen sehr gut, wenn die Tiere sich zum Beispiel immer weiter aus dem sozialen Umfeld zurückziehen, verwahrlosen, weil sie immer mehr auf die Droge fokussieren."
Zwar gibt es nach wie vor andere Drogen, die stärker süchtig machen als Cannabis - allen voran steht das legale Nikotin. Doch die Zahlen vor allem junger Kiffer steigen weiter, und wer heute Hasch kauft, bekommt modernes Zuchtcannabis mit einem deutlich erhöhten THC-Gehalt. Mehr THC, das im Gehirn von Teenagern noch mehr verändert kann.
© ZEIT online 6.7.2006 - 12:21 Uhr