Informieren statt Bussen verteilen

Wer unter Alkoholeinfluss randaliert, überspielt häufig persönliche Probleme.

Aufklärung kann dann mehr bewirken als ein Busse.

Aufklären wirkt bei Jugendlichen weit besser als Bussen verteilen: Davon überzeugt zeigen sich die Verantwortlichen der Jugendanwaltschaft und der Jugend- und Elternberatung in den Kantonen Obwalden und Nidwalden. In einem gemeinsamen Projekt führen sie neu einen Kurs für Jugendliche durch, die alkoholisiert Velo oder Motorrad fuhren, Vandalismus begingen oder beim Kiffen erwischt wurden.

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 Urs Rüttimann Neue Luzerner Zeitung; 08.05.2007

Das neue eidgenössische Jugendstrafrecht, das auf den 1. Januar 2007 in Kraft getreten ist, ermöglicht eine solche erzieherische Massnahme anstelle einer Geldstrafe. Das Projekt läuft unter dem Namen «Aktionsplan "Alcohol"». Reagiert wird vor allem auf den Trend des Rauschtrinkens und die erhöhte Gewaltbereitschaft unter jungen Leuten.

Busse ist schnell vergessen

«Eine Busse berührt einen Jugendlichen vielfach nicht sonderlich, vor allem wenn sie von den Eltern bezahlt wird», sagt Chlaus Joller von der Jugend- und Elternberatung Nidwalden. «Mit Aufklärung hingegen, wie Alkohol und Drogen den Körper und das Verhalten beeinflussen, kann mehr erreicht werden.» Als Bedingung gilt: Die Jugendlichen müssen zwischen 14 und 18 Jahre alt und in ein Strafverfahren verwickelt sein. Weiter muss bei ihnen eine klare Tendenz der Suchtgefährdung festgestellt werden.

Sieben Jugendliche werden an zwei Abenden im Mai jeweils für drei Stunden zu diesem Kurs antraben müssen. Vorgängig hat ein Sozialarbeiter in einem Einzelgespräch abgeklärt, ob sie sich für eine solche Massnahme eignen. Zudem wird versucht, den Jugendlichen die Schwellenangst zu nehmen und sie, bei ernsthafteren Problemen, für eine weiterführende Beratung zu motivieren.

Persönliche «Such(t)-Runde»

An den Kursen wird von den Jugendlichen einiges verlangt. Sie werden über die Folgen von Alkohol und Drogen informiert und sie sind an der «Such(t)-Runde» aufgefordert, sich zu ihrem persönlichen Suchtverhalten zu äussern. «Damit sie dies in einem geschützten, anonymen Rahmen tun können, wählten wir einen Kursleiter, der nicht aus unserer Region stammt», sagt Joller. Zusätzlich seien die Jugendlichen vertraglich verpflichtet, keine ihrer Aussagen nach aussen zu tragen.

Die tieferen Gründe einer Sucht

Kann mit einem sechsstündigen Kurs ein Süchtiger kuriert werden? «Wir geben uns keinen Illusionen hin», entgegnet Joller. «Doch wir können einen Süchtigen dazu bewegen, die Richtung zu ändern, oder einen Suchtgefährdeten vom eingeschlagenen Weg abhalten.» Um etwas anzustossen, muss aber vom Betroffenen zunächst das, was hinter seiner Sucht steckt, aufgedeckt und klar erfasst werden: «Beispielweise Langweile, die Suche nach Grenzerfahrung, schlechte Erlebnisse in der Lehre oder Gewalterlebnisse im Elternhaus können Gründe sein», erklärt Joller.

Auf emotionaler Ebene kann ein schlechtes Selbstwertgefühl für Sucht anfällig machen. «Um dem Gruppendruck beispielsweise bei einem Rauschtrinken zu widerstehen, braucht es Selbstbewusstsein», führt Joller aus. Und Eltern, die sich für die Erziehung ihre Kinder keine Zeit nehmen, schaffen denkbar schlechte Voraussetzungen: «Jugendliche hingegen, denen Grenzen gesetzt worden sind, verhalten sich eher angepasst.»

Urs Rüttimann