Kenia: Zum Marihuana-Anbau nach Tansania

Verfolgung treibt arme Bauern über die Grenze
Migori. Kenia, das ostafrikanische Land mit dem höchsten Marihuanakonsum, geht seit zehn Jahren mit unerbittlicher Härte gegen Hanfbauern vor. Die kleinen Produzenten haben auf den Feldzug längst reagiert und sind nach Tansania ausgewichen. Die Großhändler als die wahren Profiteure kommen ungeschoren davon.

Von Najum Mushtaq

Afrika.info, 8.11.2008

Der 25-jährige Steve Odhiambo aus Migori in der kenianischen Provinz Nyanza ging bereits vor zehn Jahren nach Roria in der tansanischen Grenzregion, wo er unter anderem Marihuana anbaut. "Hanf ist nach vier bis fünf Monaten reif. Ich ernte zuerst Mais oder Zucker, dann Hanf", berichtet er. Von den legalen Feldfrüchten allein könne kein Bauer leben.

In einem guten Jahr verdient Odhiambo mit Marihuana oder ’Bhang’, wie man in Kenia sagt, umgerechnet 200 US-Dollar. Das große Geld machen jedoch seine Abnehmer. Sie kommen in großen Wagen aus Mombasa, Nairobi oder anderen kenianischen Städten und verkaufen ein einziges Bündel Hanf zu Preisen, die weit über dem Jahreseinkommen des Bauern liegen. "Die allgemeine Wahrnehmung, dass der Marihuana-Anbau reich macht, weil er illegal ist, stimmt nicht", sagt Odhiambo. Sie meisten Bauern seien wie er durch die Armut zum Hanf gekommen. Wer absahne, das seien die Drogenbarone.

Hanf-Plantagen vernichtet

Kenia hat vor einem Jahrzehnt eine große Anti-Cannabis-Kampagne gestartet. Jährlich werden Hunderte Hektar Hanf in den Regionen Embu und Meru abgebrannt oder von Bulldozern niedergewalzt. Pläne zu Sprühaktionen mussten nach Protesten von Umweltschützern allerdings wieder aufgegeben werden.

Auch waren von insgesamt 17.578 Personen, die zwischen 2005 und 2007 wegen Drogendelikten festgenommen wurden, über 500 Hanfbauern. Nach jüngsten Polizeischätzungen konnte die Kampagne die kenianische Produktion auf 80 Tonnen im Jahr mit einem Marktwert von 15 US-Dollar je Kilogramm drücken. Trotzdem floriert der Markt. Gehandelt wird, gerade in Touristenzentren, das Doppelte der kenianischen Produktion.

Beliefert wird der Markt vor allem von Tansania aus, das sich mit Kenia eine 769 Kilometer lange und höchst poröse Grenze teilt, hinter der Land sehr preiswert zu haben ist. 25 bis 30 Dollar zahlen kenianische Pächter wie Odhiambo dort für einen halben Hektar pro Saison.

Gutes Geschäft allein für Drogenbarone

Die USA melden in einem Bericht vom März dieses Jahres größte Zweifel an der kenianischen Fähigkeit und am Willen der Regierung an, mit aller Kraft gegen die Rauschgifthandel vorzugehen. US-Erkenntnissen zufolge bestechen Drogenbarone in Kenia Polizisten, Regierungsbeamte und Politiker und bereichern sich dort mit gewaschenen Geldern in Höhe von bis zu 100 Millionen Dollar im Jahr.

Von Bestechung kann auch Odhiambo ein Lied singen. "Ich war gerade 15 und in meinem ersten Jahr hier. Der Regen und die Ernte waren gut, aber ich hatte überhaupt keine Erfahrung mit der Vermarktung. Damals habe ich mehr für Bestechungsgelder ausgegeben, als ich einnehmen konnte."

Heute ist die größte Ausgabe, die der Hanfbauer zu schultern hat, der Lohn für seine zwei Feldarbeiter. In diesem Jahr haben die Unruhen seine Einnahmen geschmälert. Den Gewinn veranschlagt Odhiambo auf gerade 140 Dollar. Große Sprünge machen kann er damit nicht.

Trotzdem würde er in der jetzigen Situation nicht riskieren, die Seite zu wechseln und den Markt aus dem Untergrund direkt zu bedienen. Aber der Bauer wäre sehr für eine Legalisierung. Produzenten wie er hätten dann direkten Marktzugang und würden entsprechend mehr verdienen. Letztendlich, meint Odhiambo, schütze die Kriminalisierung die Drogenbarone und Großgrundbesitzer, die Milizen zum Schutz ihrer Felder einsetzten könnten und das ganze System manipulierten.