Lungenschäden durch Cannabis, Antwort Leserbrief, Puls, SF DRS

Genaue Analysen, schwierig, das zu bewerkstelligen

Genaue Analysen, welche Stoffe in diesen Fällen zu den wirklich drastischen Gewebestörungen geführt haben, und ob diese Personen nicht auch einen weiteren gemeinsamen Faktor aufgewiesen haben, die sie für die Lungenschäden haben besonders anfällig sein lassen, wurden nicht durchgeführt, und es ist methodisch sicher auch schwierig, das zu bewerkstelligen.

Solche Defekte sind ansonsten in diesem Alter extrem selten.

Schweizer Fernsehen, Fernsehstr.1-4, 8052 Zürich

Sendung Puls

Antwort vom 27 11 2007, Lungenschäden durch Cannabis

Sehr geehrter Herr

Herzlichen Dank für Ihre ausführliche Kritik an unserem Beitrag vom 12.November zu den Lungenemphysempatienten, in deren von den Berner Thoraxchirurgen starker Cannabiskonsum als auslösende Ursache für Lungendefekte vermutet wurde. Solche Defekte sind ansonsten in diesem Alter extrem selten. Genaue Analysen, welche Stoffe in diesen Fällen zu den wirklich drastischen Gewebestörungen geführt haben, und ob diese Personen nicht auch einen weiteren gemeinsamen Faktor aufgewiesen haben, die sie für die Lungenschäden haben besonders anfällig sein lassen, wurden nicht durchgeführt, und es ist methodisch sicher auch schwierig, das zu bewerkstelligen. Insofern kann ich Ihre Kritik sehr gut nachvollziehen.

Im Umkehrschluss ist natürlich die Tatsache, dass es eine riesige Zahl topfitter und lungengesunder Vielkiffer gibt, kein Beleg für die Unschädlichkeit von Cannabis für die Lunge. Also wird auch ein Wettlauf wohin auch immer nicht wirklich weiterhelfen.

Wo sie hier eine marktschreierische Polemik sehen, ist mir nicht ganz klar. Und was „die Gegenseite“ ist, ebenso wenig. Mich würde interessieren, ob Sie ebenso engagiert unsere Beiträge über den therapeutischen Einsatz von Cannabis bei den unterschiedlichsten Erkrankungen kommentiert haben, die mit Krämpfen, Schmerzen oder Übelkeit einhergehen. Ich darf Ihnen aber versichern, dass wir ebenso engagierte Briefe erhalten haben, die uns vorgeworfen haben, unter dem Deckmäntelchen der Medizin Rauschmittelgebrauch zu fördern. Woher kommt der messianische Anspruch?

Kann man in dieser Frage nicht über Beobachtungen berichten, ohne gleich eine Grundsatzfrage daraus zu machen?

Irgendwie fühle ich auch die Intention des Beitrages missverstanden. Es geht in keiner Weise darum, Kiffen zu diffamieren oder einen Beitrag zum völlig sinnlosen Hanfverbot zu leisten. Als Magazin, das sich auch mit präventiven Gesundheitsfragen auseinandersetzt, ist die Mitteilung der Berner Chirurgen eine Meldung wert, und dabei geht es weniger um statistische Evidenzen, als um ein unerklärtes, auffälliges Phänomen. Damit kann und will ich keinesfalls eine Grundsatzdebatte zur Schädlichkeit des Kiffens lostreten. Und welche Feinstäube jemand inhaliert, ist schlicht und einfach seine Sache, wenn es niemanden sonst beeinträchtigt.

G.T. Redaktionsleiter Puls; gerald.tippelmann chez sf.tv