Medikamenten-Missbrauch nimmt bedrohlich zu
Der Missbrauch von Medikamenten kann in einigen Weltregionen künftig zu mehr Todesfällen führen als Drogenkonsum. Zu diesem Schluss kommt das Internationale Drogenkontrollgremium (INCB) der Vereinten Nationen in seinem am Donnerstag in Wien vorgestellten Jahresbericht.
So ist die Palette der auf dem Schwarzmarkt erhältlichen Medikamente größer geworden. Vor allem Schmerzmittel, Stimulanzien wie Nikotin oder Kokain, Tranquilizer und Beruhigungsmittel werden den UN-Experten zufolge als Drogen benutzt. In den USA sei beispielsweise der Medikamentenmissbrauch inzwischen umfangreicher als der Gebrauch anderer Drogen mit Ausnahme von Cannabis, hieß es. Zwischen 1992 und 2003 habe sich die Zahl der betroffenen US-Bürger auf rund 15 Millionen nahezu verdoppelt.
Schmerzmittel als Drogenersatz
Auch in Europa, Afrika und Südasien gewinnt das Problem laut der Uno an Bedeutung: So werden in Frankreich und Skandinavien vor allem Schmerzmittel in überhöhter Dosierung gebraucht, um ähnliche Effekte wie beim Drogenmissbrauch zu erzielen. Für Frankreich wird demnach schätzungsweise bis zu einem Viertel der Produktion bestimmter Substanzen für den Schwarzmarkt abgezweigt.
Mit der wachsenden Nachfrage steigt auch der Anreiz zu Medikamentenfälschungen: Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation WHO sind bis zu 50 Prozent aller in Entwicklungsländern vertriebenen Arzneimittel gefälscht. Im besten Fall seien die Präparate wirkungslos - oft seien sie aber mit großen Gefahren für die Patienten verbunden. Häufig seien gefälschte Arzneien auch potenziell lebensgefährlich, hieß es weiter. Zudem werden dem Bericht zufolge oftmals Wirksubstanzen aus den Mitteln isoliert, um stärkere Drogen zu schaffen.
Viele Mittel würden außerdem über das Internet vertrieben. Das UN-Drogenkontrollgremium rief deshalb die Staaten auf, stärker den Medikamentenhandel zu überwachen. Nötig sei unter anderem eine verschärfte Kontrolle von Internet-Apotheken. Die Vergabe rezeptpflichtiger Medikamente müsse ebenfalls besser kontrolliert werden.
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