"Medizinische Anwendungen des Cannabinoid-Systems Appetitanregung und Schmerzlinderung" - Prof. Ester Fride PhD, Institute of Behavorial Sciences, The College of Judea an Samaria, Ariel, Israel

Während der letzten 14 Jahren wurden eine Reihe wichtiger wissenschaftlicher Durchbrüche in der Erforschung der Hanfpflanze (Cannabis sativa) erzielt. Die Entdeckung spezifischer Rezeptoren für THC (Tetrahydrocannabinol, die zentrale psychoaktive Substanz der Hanfpflanze) im Hirn- und Körpergewebe und der drei hauptsächlichen körpereigenen Gegenstücke des THC (Endocannabinoide) haben die Hanf-Forschung von einer etwas fragwürdigen Sache zu einem Gebiet von grossem biomedizinischem Interesse gemacht. Die Forschung richtet sich ebenso sehr auf den Gebrauch des Hanfes zu Entspannungszwecken wie auf dessen vielseitige Anwendung als Medikament. Dazu kommt, dass immer mehr über die physiologische Bedeutung der Endocannabinoide und ihrer Rezeptoren herausgefunden wird.

Appetit
Hanf ist seit Jahrhunderten für seine appetitanregende Wirkung bekannt. Dank dieser Eigenschaft wird der Hanf in der Medizin zur Appetit- und Gewichtssteigerung bei AIDS und Krebs angewandt.
In den letzten Jahren verdichteten sich die Beweise, dass auch die Endocannabinoide eine Rolle spielen bei der Vielzahl hormonähnlicher Substanzen, welche den Appetit und die Nahrungsaufnahme regulieren. Wir haben jedoch kürzlich dargestellt, dass die Endocannabinoide im Anfangsstadium der Milchaufnahme bei neugeborenen Mäusen eine kritische Funktion haben (Fride et al., Eur. J. Pharmacol., 2001). Auch in weiteren Untersuchungen zeichnet sich ab, dass das Endocannabinoid-Rezeptoren-System beim Wachstum und Überleben des Neugeborenen eine spezifische Rolle spielt. Ich habe kürzlich dargelegt, dass die Cannabinoide den Gesundheitszustand von Kindern mit Zystischer Fibrose zugleich beeinflussen und verbessern (Fride J. Cann. Ther. 2002).

Schmerz
Schmerz ist eine Empfindung, welche im günstigsten Fall leicht in die Lebensqualität und -aktivität eingreift und im schlimmsten Fall lähmend auf das Individuum wirkt. Schon 1971 wurde von Snyder (Science. 1971) vorausgesagt, dass Cannabis als Mittel gegen Schmerzen klinische Anwendung finden würde, mit einem Potenzial zwischen "Aspirin" und Morphin. Es wurde nun herausgefunden, dass Cannabis und Endocannabinoide die Empfindlichkeit bei verschiedenen Schmerzzuständen lindern, indem sie gleichzeitig über die zentralen (Hirn) Rezeptoren (CB1) und die peripheren (CB1 und CB2) Rezeptoren wirken. Wir sind daran, Medikamente auf Cannabisbasis zu entwickeln, welche sehr wirkungsvolle Schmerzmittel sind, jedoch ohne psychoaktive Wirkungen wie Verwirrungs- und Angstzustände und Vergesslichkeit.

Mögliche Medikamente, die zur Zeit entwickelt werden, sollen hier vorgestellt werden.
Ester Fride Ph.D.
Associate Professor
Dept. of Behavioral Sciences,
College of Judea and Samaria, Ariel 44837, Israel