Weniger Alkohol, weniger Zigaretten
Mittwoch 2. Juli 2008, Inland von Michael Brunner
Bern Wie bereits vor vier Jahren hat sich die Schweizer Fachstelle für Alkohol- und andere Drogenprobleme (SFA) an der europäischen Schülerbefragung zum Thema Drogen beteiligt. Wer nun aber anlässich der gestrigen Medienkonferenz international vergleichende Resultate erwartet hatte, den musste Gerhard Gmel von der SFA enttäuschen: «Dazu ist es noch zu früh.» Aus früheren Studien sei allerdings bekannt, dass Schweizer Jugendliche sehr häufig kiffen, durchschnittlich trinken und relativ selten rauchen.
Weniger Rauschtrinken
An der Medienkonferenz ging es der SFA darum, die aktuellen Resultate für die Schweiz, die sich auf das Jahr 2007 beziehen, mit den eidgenössischen Resultaten von 2003 zu vergleichen. Und dabei zeigte die repräsentative Studie, an der sich 7634 Schüler im Alter zwischen 12 und 17 Jahren beteiligten, durchaus Erfreuliches: So trinken, rauchen und kiffen die Schülerinnen und Schüler heute weniger als noch vor vier Jahren. Diese Tendenz zeigt sich praktisch bei allen Untergruppen nach Geschlecht und Alter. Und auch das sogenannte Rauschtrinken hat abgenommen. Als Gründe nannte die SFA Prävention und teilweise höhere Preise so wie einen internationalen Trend weg vom Rauchen. Das freut die SFA zwar, es genügt ihr aber noch nicht. Sie begründet das unter anderem damit, dass der Konsum nur im Vergleich zu 2003 abgenommen habe. Er liege aber immer noch über den Werten aus den achtziger und den neunziger Jahren. Und gerade der Alkoholkonsum, der in breiten Gesellschaftskreisen als eher unproblematisch betrachtet werde, führe immer wieder zu Folgeproblemen.
Öfter ins Spital
So verursachen rauschtrinkende Jugendliche laut Studie häufiger Gewalt, Unfälle und Probleme mit der Polizei. Auch werden sie öfter notfallmässig ins Spital eingewiesen und haben eher sexuellen Verkehr ohne Kondom. Im Bereich Alkohol zeigt die Studie auch, welche Getränke die Jugendlichen am meisten konsumieren. Bei den Schülern ist weiterhin das Bier am beliebtesten. Über 40 Prozent des Alkohols (in Gramm reinem Alkohol) führen sie sich so zu. Bei den Schülerinnen wiederum sind die Alcopops mit gut 30 Prozent am beliebtesten – obwohl diese in der Zwischenzeit mit hohen Steuern verteuert wurden. Die Studie zeigt allerdings trotzdem eine Abnahme beim Alcopop-Konsum, der nur teilweise durch das Selbermixen kompensiert wird. Gmel schliesst daraus, dass die Verteuerung der Alcopops durchaus etwas gebracht hat.
Führend beim Cannabis
Weiter zeigt sich, dass der Drogenkonsum der männlichen Jugendlichen nach wie vor weit problematischer ist als derjenige der jungen Frauen. Zudem sei die Schweiz nach wie vor führend im Cannabiskonsum, sagte Gmel. Der Konsum von Alkohol und anderen Drogen sei bei Jugendlichen zwischen 15 und 24 Jahren schliesslich auch die häufigste Todesursache. Daneben verweist die SFA darauf, dass bei den härteren Drogen der Konsum eher zugenommen hat. Laut Gerhard Gmel findet eine eigentliche Polarisierung statt. Zwischen einem und drei Prozent der Befragten gab an, bereits einmal Heroin, Kokain, Crack, LSD oder andere Halluzinogene konsumiert zu haben. Das sind teilweise doppelt so hohe Werte wie 2003. Allerdings ist bei so einem tiefen Niveau unklar, ob die Zahlen mehr als nur Zufall sind.
Bei Schülern ist Bier nach wie vor das beliebteste alkoholische Getränk, Schülerinnen bevorzugen Alcopops.