Wenn die Politiker an Weihnachten inhalieren
Ein Berner Politstreit ums Kiffen verkommt zur Posse. Auslöser ist, einmal mehr, der ehemalige Polizeichef Kurt Wasserfallen.
Die Sache werde weiterverfolgt, sagt der Sprecher der Berner Stadtpolizei in leicht gereiztem Ton, nächste Woche werde man über allfällige Ermittlungen entscheiden. Immerhin gehe es hier um ein Offizialdelikt, die Behörden müssten somit von Amtes wegen eingreifen. Die Abklärungen betreffen über ein Dutzend Berner Stadträte beiderlei Geschlechts und überwiegend rot-grüner Gesinnung. Sie müssen mit Verzeigungen rechnen. Einigen von ihnen fällt es schon jetzt schwer, vor Angst nicht laut herauszulachen. Am liebsten sonntags
Denn die Politikerinnen und Politiker haben gekifft, weit schlimmer noch: Sie haben sich öffentlich dazu bekannt. Einige von ihnen zwar bloss in der Manier eines Bill Clinton, der bekanntlich einmal Haschisch geraucht, aber nicht inhaliert hat. So geben die einen Politiker an, "nur an Weihnachten" den Joint anzuzünden (vor dem Weihnachtsbaum? Statt des Weihnachtsbaums?), andere nur dann, wenn sie gratis mitrauchen können, dritte "nach dem Zähneputzen" (warum nicht vorher?).
Das kollektive Geständnis der temporären Hanffreunde geht auf eine Solidaritätsaktion von Catherine Weber zurück. Die grüne Stadtparlamentarierin, eigenen Angaben zufolge passionierte Sonntagskifferin, hat unter dem Titel "Solidarität mit den ehrlichen Kiffern" eine öffentliche Erklärung aufgesetzt und von 15 Ratskollegen unterschreiben lassen.
Sie fand es nämlich "lächerlich und peinlich", dass die Berner Stadtpolizei zwei Haschischkonsumenten belangt hatte, die sich in Leserbriefen zu ihrem Hanfkonsum bekannt hatten. Die beiden wollten damit gegen Behauptungen des früheren Berner Polizeichefs Kurt Wasserfallen protestieren. Dieser hat dem Berner «Bund» gegenüber behauptet, wer kiffe, könne nicht mehr damit aufhören, sei nicht lernfähig, werde apathisch und breche die Lehre ab. Der eine Leserbriefschreiber merkte dazu an, seine KV-Lehre mit Bestnoten abgeschlossen zu haben, der andere verwies auf seine Doktorarbeit, mit der er trotz regem Hanfkonsum gut vorankomme. Hoffen auf Musterprozess.
Die Polizei fand das gar nicht lustig und bot die beiden Autoren zur Vernehmung auf; einer ist bereits gebüsst worden. Der Vorgang, kommentiert Catherine Weber, sei "auch ein eklatanter Eingriff in die Meinungsäusserungsfreiheit". Sie wartet gespannt darauf, ob auch sie und ihre Kollegen jetzt vorgeladen werden. Am liebsten wäre ihr ein Musterprozess, um die Absurdität der geltenden Drogengesetzgebung zu demonstrieren. Sie kann beruhigt sein. Solange Kurt Wasserfallen sich zum Thema ereifert, werden der Stadt die Absurditäten nicht ausgehen.