Christof Schertenleib Der Berner Filmemacher ist Regisseur und Autor des Fernsehfilms "Lücken im Gesetz"
"bund": Mit dem Freiburger Justizskandal und der Schweizer Hanfpolitik thematisieren Sie zwei heisse Eisen. Welche Reaktionen erwarten Sie?
Christof Schertenleib: Keine konkreten. Der Justizskandal liegt doch etliche Jahre zurück, und heute lautet die Devise meist, dass Fehler der Vergangenheit besser nicht beschönigt werden.
Ursprünglich hiess der Film "Gras", jetzt, viel unverfänglicher, "Lücken im Gesetz". Hatten Sie Angst vor der Provokation?
Mir gefällt "Gras" auch besser. Den Titel haben wir auf Wunsch des Fernsehens geändert. Die zuständige Redaktion befürchtete, er könnte missverstanden werden und argumentierte, "Lücken im Gesetz" passe besser zu einem Justizdrama.
Wie halten Sie es mit dem Kiffen?
Kiffen ist mir nicht wichtig. Aber ich hoffe doch, dass die absurde Hanfpolitik bald ein Ende hat.
Kann Ihr Film diesen Prozess beschleunigen?
Schön wärs. Aber ein Fernsehfilm wird wohl nie Politik machen können.
"Lücken im Gesetz" basiert auf dem Fall des Litzistorfer Hanfbauern Armin Käser. Wie wurden Sie darauf aufmerksam?
Durch einen Anwalt, der mir bei einem privaten Anlass davon erzählte. Er hat mir viele Hintergrundinformationen geliefert. Für den Prozess hat er alle Dokumente und auch Videomaterial gesammelt. Nicht nur das Fernsehen hat über den Fall berichtet, auch die Polizei hat gefilmt.
Sie zeigen den Bauern, der im Film Michael Krattiger heisst, als modernen Michael Kohlhaas. Wie nahe ist die Fiktion bei der Realität?
In diesem Punkt nahe. Auch Käser glaubt an den Hanf, begeistert sich für diese vielseitig nutzbare Kulturpflanze. Und er hat wie Kohlhaas um sein Recht gekämpft.
Was sagt Käser zum Film?
Ich habe noch nicht mit ihm gesprochen, habe aber erfahren, dass er ihn sehr gut findet.
Wie haben die Freiburger Behörden während der Dreharbeiten auf das Projekt reagiert?
Sie waren sehr hilfsbereit. Heikel war nur ein Punkt: Zuerst hiess es, die am Fall beteiligten Polizisten könnten als Statisten mitspielen. Als aber klar wurde, dass wir auf dem Originalhof von Käser drehen, fanden sich - für mich verständlich - keine Freiwilligen.
Im Zentrum des Films steht eine fiktive Figur, die junge Anwältin Lisa Zürcher. Gibt es auch für sie Vorbilder in der Realität?
Was die juristische Seite ihrer Geschichte betrifft, habe ich mich vor allem an den Erfahrungen des Anwalts orientiert, der mich über den Fall informiert hat.
Aus dem erfahrenen Anwalt ist im Film eine junge Anwältin geworden. Eine Konzession an Publikumserwartungen?
So dachte ich überhaupt nicht, und es gab auch vom Fernsehen in dieser Hinsicht keine Vorgaben. Es ist nur einfach so, dass die Geschichte als reine Männerstory, die sie in der Realität ist, weniger interessant gewesen wäre.