2004/04/15 - BZ Leserbriefe

Viktor Gorgé von der Eltern- und Angehörigenvereinigung Drogenabhängiger DAJ Bern bezieht sich auf den Artikel in der BZ v. 2. April "Entkriminalisierung löst sich in Rauch auf".

Nach dem erfreulich standfesten Ja des Ständerats zur Revision des Betäubungsmittelgesetzes nun der unverständliche Entscheid der Nationalratskommission: Nichteintreten! Das Nein gilt vor allem der Entkriminalisierung des Cannabiskonsums; es ist ein Nein gegen jedes Schrittchen, das als Liberalisierung ausgelegt werden könnte: Droge ist Droge und gehört verboten! Aber mit diesem Nein wird zugleich auch das andere Anliegen der Revision zur Makulatur gemacht: die gesetzliche Verankerung unserer 4-Säulen-Drogenpolitik, das Ergebnis von zwei Jahrzehnten Erfahrung im Umgang mit Drogen. Wenn der Nationalrat seiner Kommission folgt, könnten wir ein weiteres Jahrzehnt auf ein besseres Gesetz warten.

Was soll ein Verbot, das in keiner Weise durchsetzbar ist und angesichts des Nicht-Verbots von Alkohol und Tabak als willkürlich und absurd empfunden wird? Es macht die ganze Drogengesetzgebung lächerlich! Wann begreifen diese rechten Politikerinnen und Politiker endlich, dass staatliche Kontrolle besser ist als ein Verbot, dass einen blühenden illegalen Markt nach sich zieht? Als Angehörige von Drogenabhängigen haben wir erfahren, was Drogenverbote bedeuten: Sie haben die Jugendlichen nicht abgeschreckt, sie haben die Drogen nicht zum Verschwinden gebracht, aber sie haben bewirkt, dass immer zuerst die Polizei und die Gerichte sich mit denen beschäftigen, die eigentlich psychologische und soziale Hilfe gebraucht hätten.

Auch wir meinen, dass zum Beispiel Schüler nicht kiffen sollten - und auch nicht rauchen oder Bier trinken - und dass Kiffen für Jugendliche äusserst problematisch sein kann - genau wie etwa Bier trinken auch. Das blosse Verbot und alle seine Konsequenzen verhindern diesen problematischen Konsum offenbar nicht; aber das Verbot verhindert eventuell, dass man mit dem Jugendlichen rechtzeitig und offen über seine Probleme spricht.