Mehrere hundert Interessierte liessen sich am Sonntag in Litzistorf über die Anwendung von Hanf in der Medizin informieren. Eingeladen auf die Produktionsstätte des ehemaligen CannaBiolandes hatte die Firma CannaMed in Bern.
Das Unternehmen vertreibt eine ganze Palette von Produkten aus Hanf: von Kosmetikartikeln (Shampoo, Öl, Balsam usw.) über Accessoires (Taschen, Geldbeutel, Etuis) bis zu medizinisch-therapeutischen Erzeugnissen wie etwa Hanföl und Hanfsalbe. Die Organisatoren zeigten sich sehr zufrieden mit dem Anklang, den der Tag der offenen Türe in der Öffentlichkeit gefunden hat. Etwa 500 bis 600 Personen seien auf den Betrieb des ehemaligen CannaBiolandes in Litzistorf bei Bösingen gekommen, erklärte Rolf Boschung. Sie liessen sich über die Produktepalette informieren und verfolgten die Vorträge der geladenen Gastredner.
Dass Hanf seit je her auch in der Volksmedizin verwurzelt ist, veranschaulichte der Arzt Manfred Fankhauser aus Langnau. So kommt Cannabis vor allem als Beruhigungs- und Schlafmittel zum Einsatz. Aber auch bei Appetitlosigkeit wird es angewandt. Forschung entdeckt weitere Einsatzmöglichkeiten In den letzten 10 bis 15 Jahren wurde der Wirkstoff weiter erforscht und es ergaben sich noch mehr Anwendungsmöglichkeiten. So hilft Hanf bei der Behandlung von Asthma und grünem Star, wie der Arzt ausführte. Auch sei er wirksam in der Bekämpfung von Appetitlosigkeit bei Krebspatienten während der Chemotherapie und verschaffe Linderung bei den Nebenerscheinungen von Multipler Sklerose (MS).
Gemäss Manfred Fankhauser sind die Nebenwirkungen gering, da die therapeutische Dosis klein sei und auch nicht erhöht werden müsse. Er warnte davor, das Cannabis zu rauchen, da bei der Verbrennung viele Schadstoffe entstehen. Besser sei die Einnahme durch Hanftee, durch mit Hanf angereichertes Gebäck oder mit speziellen Inhalatoren.
Eine Studie bei MS-Patienten
Über eine eigene Studie über die Behandlung von 50 MS-Kranken berichtete Claude Vaney, Chefarzt der Neurologischen Rehabilitationsabteilung der Berner Klinik Montana. Er untersuchte die Wirkung des im Hanf vorhandenen Tetrahydrocannabinol (THC) auf die Muskelverspannungen, die so genannten Spasmen.
Um aussagekräftige Ergebnisse zu bekommen, setzte man auch Medikamente ohne Wirkstoff (Placebos) ein. Die Testpersonen wurden täglich von Therapeuten auf Spasmen kontrolliert und die Patienten führten ein Tagebuch über ihre Befindlichkeit. Objektiv konnte durch die Therapeuten keine grosse Verbesserung festgestellt werden, hielt Dr. Vaney fest. Subjektiv aber gaben die Testpersonen eine positive Wirkung an, allerdings auch mit den Placebo-Produkten.
Es tauchten zwar leichte Nebenwirkungen auf wie Müdigkeit, Schwindel und Euphorie bzw. veränderte Wahrnehmung, allerdings liess sich keine Beeinträchtigung des Gedächtnisses und der Geschicklichkeit feststellen. Für klarere Ergebnisse brauche es Studien mit mehr Testpersonen, führte der Arzt aus.
Schwierige rechtliche Situation
Die Besucher am Tag der offenen Türen von CannaMed konnten sich auch durch Rechtsanwalt Joachim Lerf über die momentan schwieri- ge rechtliche Lage informieren lassen. Die gesetzlichen Auflagen erschweren wirksame Forschung und Entwicklung von medizinischen Hanfprodukten, hielt er fest. Auf Gesetzesebene wäre eine Änderung nötig. So bleibe mit der heutigen Gesetzgebung die Einnahme von Cannabisprodukten mit THC-An-teil von über drei Prozent strafbar - auch in der Medizin, erklärte der Jurist.
Gastredner, Nationalrat Erwin Jutzet (SP), kritisierte die Diskussionsverweigerung der Politik zur Revision des Betäubungsmittelge-setzes. Eine Verbesserung im Umgang mit Cannabis sei der Parteipolitik zum Oper gefallen, bedauerte er.