2004/09/28 - Der Bund

Der mit Cannabis-Sirup angereicherte Eistee eines Thurgauer Obstsaftproduzenten wird zum Verkaufshit.

Die Thurella AG ist bekannt für ihre Obstsäfte und den Apfelwein. Neuerdings haben die Thurgauer das Haschisch entdeckt. Mit Erfolg vertreiben sie einen mit Cannabis angereicherten Eistee. Erfunden von Rinaldo Eckmann, einem überzeugten Haschfreak.

Otto Hess ist ein bodenständiger Landwirt aus dem Thurgau. Während Jahren politisierte der 68-Jährige für die SVP im Nationalrat und sass im Verwaltungsrat bäuerlicher Organisationen. Bei der Thurella in Egnach präsidiert er den Verwaltungsrat. Anfang 2003 hatten die Bauern, die beim grössten Apfelweinproduzenten der Schweiz das Sagen haben, einmal nicht über Àepfel und Birnen, sondern über ein anderes Naturprodukt zu befinden: Cannabis Sativa.

"Einige Verwaltungsräte schluckten zuerst einmal leer, bevor sie zu entscheiden hatten, ob Thurella einen mit Haschisch angereicherten Eistee vertreiben sollte," sagt Marcel Odermatt, der Verantwortliche für Marketing und Verkauf. Doch jetzt, wo das Geschäft mit dem "Swiss Cannabis Ice Tea" wie geschmiert läuft, haben alle ihre Freude daran.

Im Rheintaler Hanfland
Ortswechsel, ein paar Dutzend Kilometer rheinaufwärts nach Sevelen. Dort ist Rinaldo Eckmann bei der Natur Art Handels AG die treibende Kraft. Mit seinem Rossschwanz, den schwarzen Kleidern und der Deignerbrille ginge der 38-Jährige glatt als Manager aus der Showbranche oder als eitler Dandy durch. Dabei ist der Mann mit dem Titel des Geschäftsführers ein Chrampfer, der hartnäckig seine Ziele verfolgt.

Auf Haschisch ist Eckmann in jungen Jahren gekommen. Von diesem natürlichen "Heil- und Genussmittel", wie er sagt, ist der gelernte Landschaftsgärtner bis heute nicht losgekommen. Sei es als Konsument, als Tüftler von Haschprodukten oder als ein von der Justiz Gejagter. Er spricht von einer "verkannten" Pflanze, die bei uns eine lange Tradition habe. Im nahen Buchs gebe es ein Schulhaus das Hanfland heisse. Und viele Bauern hätten früher ihre Haschpfeife geraucht, weil sie sich den Tabak nicht leisten konnten. Seit ein paar Jahrzehnten werde diese Pflanze bei uns verteufelt. "Das Problem ist nicht die Droge, sondern der schwache Mensch", sagt Eckmann.

Ueber eine Million Dosen verkauft
So schnell kann man Eckmann in Sachen Hasch nichts vormachen. Das merten auch die Verantwortlichen bei Thurella, als sie mit dem Werdenberger erstmals in Kontakt traten. Nach einer langen Phase des Pröbelns und Testens war Eckmann überzeugt, einen mit Haschsirup angereicherten Eistee zum Verkaufsknüller machen zu können. Er bekam Recht. Seit Juni 2003 wurden in der Schweiz und im Ausland in zwölf Monaten über eine Million Dosen C-Ice verkauft. Eckmann ist überzeugt, dass diese Erfolgsgeschichte in ganz europa eine Fortsetzung finden wird. Und schon zieht er Vergleiche mit Red Bull, einem anderen Lifestyle-Getränk.

Weil Eckmann ein kreativer Kopf, aber kein Mann des Marketings und Verkaufs ist, hat er die Markenrechte für die Schweiz an Thurella verkauft. Das Weltvertriebsrecht besitzt eine Firma aus Oesterreich. Die hat jetzt die nicht immer leichte Aufgabe, den Cannabis-Eistee aus dem Thurgau in Ländern zu verkaufen, wo Haschisch noch mehr geächtet ist als in der Schweiz.

Behörden prüfen THC-Gehalt
Wer Cannabis in Lebensmitteln auf den Markt bringt, ist Kontrollen unterworfen. "Wir halten uns streng ans Lebensmittelgesetz", betonen Eckmann und Odermatt. Der bei Bauern in den Kantonen, Bern, Thurgau und Graubünden angepflanzte Naturhanf wird von den St. Galler Behörden auf seinen THC-Gehalt getestet. Dieser liegt bei der Grünmasse, mit der später der Hanfblütensirup hergestellt wird, zwischen 0,2 bis 1,2 Prozent. Auch sonst sind die Kontrollen lückenlos: Sie reichen von der Anlieferung des Haschischs über das Verbrennen des Abfalls in der Kehrichtsverbrennungsanlage bis zum Siruptest.

Mit dem Hanfblütensirup aus dem Thurgau wird später in einer österreichischen Molkerei der eistee produziert und in eine trendige orange-farbene Kartonverpackung abgefüllt. "Das Potential des Cannabis-Eistees ist riesig", sagt Marketingmann Odermatt. Ohne dass das Produkt gross beworben werde, kletterten die Verkaufszahlen im In- und Ausland kontinuierlich in die Höhe.

Rinaldo Eckmann freuts. Er verdient nicht nur an jeder verkauften Dose, er glaubt auch, dass es auf der Welt Zehntausende anderer Menschen gibt, die beim Trinken von C-Ice den gleichen Gemütszustand erreichen wie er: "Der Tee macht einfach glücklich".

Markus Rohner