Handel mit Betäubungsmitteln: +14%

Nach Dreck und Schmierereien, Verkehr sowie Drogen ist die Kriminalität für die Stadtberner Bevölkerung das viertwichtigste Problem. Ein Fünftel der Einwohnerinnen und Einwohner bezeichnet sie gar als das wichtigste Problem der Stadt. So lauten Befunde aus dem Lebensqualitätsbericht, der letztes Jahr veröffentlicht wurde. Vier Jahre zuvor hatte die Kriminalität in der Liste der Kümmernisse noch weiter hinten rangiert.

Mit Erleichterung dürften die Bernerinnen und Berner deshalb die gestern veröffentlichte Sicherheitsbilanz der Stadtpolizei zur Kenntnis nehmen: Im vergangenen Jahr nahm die Zahl der angezeigten Straftaten in Bern erstmals seit dem Jahrtausendwechsel wieder ab - und zwar um drei Prozent.

Mehr Missetaten am Bancomat
Im Vorjahr war noch eine Zunahme von sieben Prozent zu verzeichnen gewesen. "Ja, die Stadt Bern ist im öffentlichen Raum sicherer geworden", sagt Florian Walser, Chef der Kriminalpolizei. Markant abgenommen, nämlich um zwölf Prozent, hat die Zahl der Vermögensdelikte: Es gab 16 Prozent weniger Einbruchdiebstähle, acht Prozent weniger Sachbeschädigungen, gar 30 Prozent weniger Raubdelikte und und 27 Prozent weniger Entreissdiebstähle (siehe Faktenbox). Für die Stadtpolizei ist klar, worauf das unter anderem zurückzuführen ist: auf ihre verstärkte Präsenz in der Innenstadt sowie auf gezielte Aktionen im Bereich der Vermögensdelikte, auch in den Quartieren draussen. Die "deutlich erhöhte" Präsenz der Polizei wirke präventiv, sagt Kripo-Chef Walser, und Übeltäter, die es trotzdem wagten, könnten rascher geschnappt werden. Eines vermochte die Polizei indes nicht zu verhindern, wie sie selber schreibt: Betrug am Bancomaten durch Manipulation desselben. Diese Fälle nahmen 2004 um 33 Prozent zu.
Bei den Gewaltdelikten fällt die Bilanz durchzogen aus. Im öffentlichen Bereich hat laut Stadtpolizei die Gewalt in Bern "deutlich abgenommen". Zwar gab es insgesamt etwas mehr Delikte gegen Leib und Leben (plus vier Prozent), und es kam zu fünf Tötungsdelikten (Vorjahr: vier). Doch die Zunahme betreffe vor allem Tätlichkeiten, also "die mildeste Form" der strafbaren Handlungen gegen Leib und Leben, wie die Polizei schreibt. Die Körperverletzungen wiederum sind um fünf Prozent gesunken. Registriert wurden letztes Jahr zudem 17 Fälle von sexuellen Handlungen mit Kindern (gleich viele wie vorletztes Jahr), vier Fälle von sexueller Nötigung (plus vier), und 17 Vergewaltigungen (plus zwei).

Kripo-Chef: "Starke Eskalation"
Die von der Polizei festgestellte Gewaltabnahme im öffentlichen Raum hat jedoch eine Kehrseite: Im Privatbereich machen die Gesetzeshüter "eine Tendenz der Zunahme der Gewalt" aus. Zwar musste die Polizei weniger häufig als im Vorjahr wegen häuslicher Gewalt intervenieren - doch die Schwere der Fälle hat zugenommen: 59 Mal griff die Polizei zu Zwangsmassnahmen, nahm also die prügelnden Täter in Haft oder in Polizeigewahrsam. Im Vorjahr war dies nur 28 Mal geschehen.
Kripo-Chef Florian Walser spricht von einer "sehr starken Eskalation" und verweist auf zwei Tötungsdelikte im Bereich der häuslichen Gewalt: Im einen Fall tötete eine Frau den Ex-Partner, im anderen Fall brachte ein Mann die Ex-Partnerin um. Beide richteten sich anschliessend selber.

Mehr Anzeigen im Privatbereich
Im Bereich der häuslichen Gewalt nahmen in Bern auch Anzeigen nach Tätlichkeiten, Drohungen und Sexualdelikten zu. Schon seit einigen Jahren blicke die Polizei hier genauer hin als früher, sagt Kripo-Chef Walser. Zudem ist seit April 2004 Gewalt in der Ehe und anderen Partnerschaften auch per Strafgesetz keine Privat- und Bagatellangelegenheit mehr, sondern ein Offizialdelikt. Die Behörden werden nicht erst auf Antrag aktiv, sondern von Amtes wegen. Ab Juni 2005 wird die Polizei im Kanton Bern Täter bis zu 14 Tage lang aus dem Haus verbannen können.
Um zehn Prozent zugenommen haben in der Stadt Bern 2004 die Anzeigen wegen Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz. Stark gestiegen sind insbesondere die Anzeigen wegen Cannabis-Missbrauchs. Und 69 Prozent der Anzeigen wegen Handels mit illegalen Betäubungsmitteln entfielen auf Ausländer.

straftaten 2004 in bern
-  Total Vermögensdelikte: 15 170 (-12% gegenüber Vorjahr) Einbruchdiebstähle: 3101 (-16%)
-  Sachbeschädigungen: 1755 (-8%)
-  Raubdelikte: 137 (-30%)
-  Entreissdiebstähle: 69 (-27%)
-  Total Delikte gegen Leib und Leben: 447 (+4%)
-  Tötungsdelikte: 5 (Vorjahr: 4)
-  Körperverletzungen: 192 (-5%)
-  Tätlichkeiten: 220 (+10%)
-  Sexuelle Handlungen mit Kindern: 17 (-)
-  Sexuelle Nötigung: 10 (Vorjahr: 6)
-  Vergewaltigungen: 17 (Vorjahr: 15)
-  Total Betäubungsmitteldelikte: 3973 (+10%)
-  Cannabis-Missbrauch: 1584 (+42%)
-  Handel mit Betäubungsmitteln: 510 (+14%) Sichergestelltes Heroin: 21,4 Kilogramm (Vorjahr: 22,7)