BERN - Unsere Bauern rüsten zur Cannabis- Anbauschlacht:
Wenn - wie es die Politiker wollen - der Haschischkonsum bald liberalisiert wird, wollen viele Landwirte ins lukrative Hanfgeschäft einsteigen.
Auf seiner Internet-Homepage fragte der "Schweizer Bauer" die Besucher:
"Sind Sie interessiert, den Rohstoff für Joints zu produzieren?" Das Ergebnis erstaunte: Satte 73 Prozent antworteten mit Ja, nur 22 Prozent können sich dies nicht vorstellen. "Damit haben wir nicht gerechnet", sagt Robert Stark (34), Redaktionsleiter der Homepage. "Auch die Anzahl der Personen, die mitgemacht haben - über 220 - ist erstaunlich hoch." Mehrfachstimmen waren technisch nicht möglich.
Dieser Tage hat auch der Schweizer Bauernverband (SBV) das Parlament aufgefordert, klare Richtlinien für den Anbau von Rauchhanf aufzustellen. "Für die Bauern, die auf saubere Art Hanf anbauen wollen, muss Rechtssicherheit herrschen", sagt SBV-Direktor Melchior Ehrler (54). "Das hat der Ständerat zu we-nig berücksichtigt." Selbst Qualitätskontrollen fürs inländische "Gras" sollen nach dem Willen des SBV eingeführt werden.
Dass im Fall einer Legalisierung Tausende von Bauern schlagartig zu Cannabis-Pflanzern werden, glaubt Ehrler nicht. Auch Thomas Schmid (28) vom Departement Pflanzenbau beim SBV sagt: "Hanf wird wohl immer ein Nischenprodukt bleiben." Doch für den einen oder anderen könne es durchaus eine lukrative Alternative sein.
François Reusser (45), Präsident der Produzenten-Vereinigung "Hanfkoordination Schweiz", sieht das optimistischer: "Der Markt hätte Platz für gegen 1000 Produzenten. Die könnten gesünderes ÐGrasð produzieren als der Indoor-Hanf - und damit ein schönes Auskommen erzielen."
Einer der Bauern, die sich gut vorstellen können, legal Rauchhanf anzubauen, ist Albert Baltensperger (41) aus Nürensdorf ZH. Er bewirtschaftet mit seinem Bruder Peter einen 20-Hektaren-Hof mit Rind- und Schweinefleischproduktion und pflanzt Roggen, Weizen, Gerste und Zuckerrüben. "Ich hätte nichts gegen eine Legalisierung und würde auch Rauchhanf anbauen, wenn es sich lohnt", sagt er. "Es macht doch mehr Sinn, wenn der Hanf hier produziert wird."
Hasch-Freigabe muss noch manche Hürde nehmen
BERN - Der Ständerat hat sich bereits für die Legalisierung des Cannabiskons ausgesprochen. Demnächst ist der Nationalrat am Zug. Wenns zum Referendum kommt, wird das Volk frühestens im Sommer 2003 abstimmen können.
Bevor die Stimmbürger über die Legalisierung des Hanfkonsums bestimmen können, muss die Revision des Betäubungsmittelgesetzes noch zum parlamentarischen Hürdenlauf antreten.
Am 12. Dezember 2001 hat sich der Ständerat mit der Revision des Betäubungsmittelgesetzes befasst und sich klar mit 25 zu 0 Stimmen für die Legalisierung des Hanfkonsums ausgesprochen.
Nach der Junisession 2002 wird die Vorlage von der nationalrätlichen Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit (SGK) vorberaten.
Der Nationalrat wird voraussichtlich in der Herbstsession entscheiden, ob der Cannabiskonsum entkriminalisiert werden soll.
Falls gegen das revidierte Betäubungsmittelgesetz das Referendum ergriffen wird, wird die Vorlage frühestens im Sommer 2003 der Volksabstimmung unterbreitet.