Aus dem Rapport Roques (Im Auftrag von B. Kouchner, Juni 1998)

Der Hanf
Offensichtlich wird während der Schwangerschaft sehr häufig Hanf konsumiert. Verschiedene Studien (Bridges et al., 1995) haben belegt, dass 3 bis 16% der Mütter während der Schwangerschaft Hanf konsumierten. Es ist umstritten, ob der Hanf eine Wirkung auf den Fetus hat. Die bisher publizierten Studien sind in den meisten Fällen widersprüchlich. Dies ist vor allem darauf zurückzuführen, dass der Hanfkonsum in vielen Fällen mit der Einnahme von anderen Substanzen wie Tabak, Alkohol und anderen Drogen wie Kokain und Benzodiazepinen einhergeht, sowie mit Lebensgewohnheiten, die das Risiko vorgeburtlicher Schädigungen erhöhen. Ausserdem wurde in den meisten Studien die Konzentration pharmakologisch aktiver Substanzen (D-9-THC) des Hanfs und die Verunreinigung mit Pestiziden und Herbiziden nicht berücksichtigt. Das D-9-THC und der Metabolit 9-carboxy-THC können zwar die Plazentaschranke überschreiten, aber ob sie eine Wirkung auf das Ungeborene haben, bleibt umstritten. In einigen Studien wurde die verkürzte Dauer der Schwangerschaft auf den Hanfkonsum zurückgeführt (Cregler & Mark, 1986; Wang & Schnoll, 1987; Chasnoff & MacGregor. 1987). In anderen Untersuchungen werden diese Wirkungen eher dem gleichzeitigen Tabakkonsum zugeschrieben (Wang & Schnoll, 1987). In weiteren Studien wurde gar keine Wirkung auf die Dauer der Schwangerschaft nachgewiesen (Zuckermann et al., 1989; Chasnoff et al., 1989; Keith et al., 1989). In einer Arbeit von Chasnoff et al. (1985) wurde sogar eine Verlängerung der Schwangerschaftsdauer festgestellt. Untersuchungen anderer Autoren (Acker et al., 1983; Neerhoff et al.) liessen auf eine verzögerte Wehentätigkeit schliessen, aber in den meisten Studien konnte kein statistisch relevanter Unterschied zwischen Konsumentinnen und Nichtkonsumentinnen belegt werden (Briggs et al., 1995). Der Hanfkonsum wurde auch mit geringerer Länge und tieferem Gewicht des Neugeborenen in Verbindung gebracht (Ryan et al., 1987; Chasnoff et al., 1989; Collins et al., 1989). Doch bei den untersuchten Fällen handelte es sich zumeist um Frauen, die auch Tabak und Alkohol konsumierten. Einige Studien wiesen auf verschiedene angeborene Missbildungen bei Kindern von Hanfkonsumentinnen hin. Wie im vorhergehenden Fall ging auch hier der Hanfkonsum mit Tabak- und Alkoholkonsum und dem Gebrauch anderer Drogen einher. Mit wenigen Ausnahmen wurde in keiner dieser Studien Missbildungen bei den Neugeborenen auf den Hanfkonsum der Mütter zurückgeführt (Briggs et al.; 1995). Andererseits scheint die Verbindung von Alkohol- und Hanfkonsum zum häufigeren Auftreten der Alkoholembryopathie1) beizutragen. Gewisse neurologische Verhaltensauffälligkeiten (Zittern, verminderte visuelle Reaktionen, höhere Reizbarkeit und Schreckhaftigkeit) wurden mit dem Hanfkonsum der Mütter in Zusammenhang gebracht (Ryan et al., 1986; Chasnoff et al., 1986; Zuckermann et al., 1989). Eine spätere Untersuchungen der Kinder (18 bis 24 Monate nach der Geburt) zeigte jedoch, dass die damalige Verhaltensauffälligkeit des Neugeborenen keine Auswirkung auf die geistige und motorische Entwicklung hatte (Chasnoff et al., 1988). Auch Schlafstörungen bei dreijährigen Kindern wurden dem Hanfkonsum während der Schwangerschaft zugeschrieben, ebenso das Vorkommen gewisser ungewöhnlicher Neoplasien wie die akute, nicht-lymphoblastische Leukämie2). Jedoch konnten auch im letzteren Fall Verunreinigungen des Hanfs mit Herbiziden und Pestiziden nicht ausgeschlossen werden.

Schlussfolgerungen und Empfehlungen

Risiken während Schwangerschaft und Geburt
Die aufgeführten Risiken sind umstritten und widersprechen sich: verminderte Gestationszeit (Dauer der Schwangerschaft), verzögertes Wehen- und Geburtsgeschehen.

Risiken für das ungeborene Kind in der Embryonalperiode3)
Es sind keine dem Hanfkonsum zugeschriebenen Missbildungen bekannt.

Risiken für das ungeborene Kind in der Fetalperiode4)
In einigen Fällen intrauteriner Wachstumsrückstand durch die direkte Wirkung des Tabaks.

Risiken für das Neugeborene
Bei starkem Hanfkonsum in der Schwangerschaft vorzeitiges Eintreten der Geburt und/oder geringeres Geburtsgewicht. Übermässige Reizbarkeit bis 30 Tage nach der Geburt.

Risiken für die Entwicklung des Kindes
Kein spezifisches Risiko bekannt.

-  Alkoholembryopathie: durch Alkoholkonsum der Mutter während der Schwangerschaft hervorgerufene Erkrankung des ungeborenen Kindes mit verlangsamtem Wachstum des Kindes während der Schwangerschaft und nach der Geburt, kleinem Kopf, Zurückbleiben der motorischen und geistigen Entwicklung, häufig auch angeborene Herzfehler und andere Missbildungen. Die Schädigung tritt möglicherweise schon in der Embryonalperiode ein. Die A. ist häufiger als meist angenommen (geschätzte Häufigkeit: 1-3 Fälle auf 1000 Neugeborene).
-  Eine Form von Leukämie (Blutkrebs)
-  Embryonalperiode: 1. bis 8. Woche nach der Befruchtung. In der E. werden u.a. die Organe wie das Gehirn, Herz usw. gebildet.
-  Fetalperiode: 9. Schwangerschaftswoche bis zur Geburt. Wachstum des gesamten Organismus und Differenzierung der Organfunktionen.