Multiple Sklerose (MS) ist eine Krankheit, bei der Teilbereiche der Myelinscheide (der Schutzhülle der Nervenfasern) im Gehirn und in der Wirbelsäule zerstört werden und die normale Funktion der Nervenfasern selbst unterbrochen wird. Es scheint eine Autoimmunkrankheit zu sein, bei der das körpereigene Abwehrsystem das Myelin als fremden Eindringling behandelt. Die Symptome treten normalerweise im frühen Erwachsenenalter auf und sind dann über Jahre hin einem unvorhersehbaren Wechsel von Besserung und Verschlechterung unterworfen. Die Schübe dauern Wochen oder Monate, und die Erholung ist oft unvollständig; insgesamt verschlechtert sich der Zustand allmählich und führt schliesslich zu schwerer Behinderung. Eine Verletzung, eine Infektion oder Stress können einen Zusammenbruch verursachen. Die durchschnittliche Überlebenszeit beträgt dreissig Jahre, aber der Zustand mancher Patienten verschlimmert sich viel schneller, während andere sich nach ein paar Schüben stabilisieren. Die Art der Symptome hängt davon ab, welcher Teil des zentralen Nervensystems von der Demyelinisierung betroffen ist. Da das Gehirn und die Wirbelsäule den gesamten Körper steuern, können die Wirkungen fast überall auftreten. Häufige Symptome sind Prickeln, Taubheit, Sehstörungen, Sprechschwierigkeiten, schmerzhafte Muskelkrämpfe, Verlust an Koordination und Balance (Ataxie), Müdigkeit, Schwäche oder Lähmung,’ Zittern, Verlust der Blasenkontrolle, Harnweginfektionen, Verstopfung, Hautgeschwüre und schwere Depressionen. Eine wirksame Behandlung ist nicht bekannt. Korticosteroide, besonders das adrenocorticotrope Hormon (ACTH) und Prednison lindern einige der akuten Symptome, aber sie führen auch zu Gewichtszunahme und manchmal zu geistigen Störungen. Die für die Behandlung der Muskelkrämpfe am häufigsten verwendeten Medikamente sind Diazepam (Valium®), Baclofen (Lioresal®) und Dantrolen (Dantamacrin®). Diazepam und andere Medikamente aus der Benzodiazepinklasse, die in grossen Dosen verabreicht werden müssen, führen zu Schläfrigkeit und können süchtig machen. Dantrolen und Baclofen haben keinen grossen medizinischen Nutzen. Baclofen ist ein Beruhigungsmittel und verursacht manchmal Schwindel, Schwächeanfälle oder Verwirrtheit. Dantrolen ist ein letzter Ausweg, da es potentiell tödliche Leberschäden hervorruft; es hat auch viele andere Nebenwirkungen, darunter Schläfrigkeit, Schwindel, Schwächeanfälle, allgemeines Unwohlsein, Bauchkrämpfe, Durchfall, Sprach- und Sehstörungen, Krampfanfälle, Kopfschmerzen, Impotenz, Herzrhythmusstörungen, Blutdruckschwankungen, klinische Depression, Muskelschmerzen; Erstickungsängste und Verwirrtheit. Verständlicherweise können viele Patienten die unmittelbaren Nebenwirkungen dieser Medikamente nicht ertragen oder machen sich Sorgen wegen der Langzeitfolgen.
Der Nutzen von Hanf bei Multipler Sklerose wird durch diesen Bericht des siebenunddreissig Jahre alten Greg Paufler aus dem Hinterland von New York verdeutlicht: 1973 bemerkte ich ein Taubheitsgefühl im linken Daumen, das sich allmählich über die ganze linke Hand ausbreitete. Ich suchte wegen dieser Symptome einen Arzt auf, der eine Nervenentzündung diagnostizierte und sagte, sie würde in wenigen lagen verschwinden. Er empfahl mir Vitamintabletten. Innerhalb einer Woche war die Taubheit verschwunden, aber ich hatte Schwierigkeiten, Balance zu halten und manchmal Probleme beim Gehen.
Im Vorfrühling 1974 hatte mein Gesundheitszustand sich sehr verschlechtert, obwohl ich immer noch meine Vitamintabletten nahm. Mein Stolpern und Fallen wurde zu einem Bürowitz in der Versicherungsgesellschaft, wo ich als Verkäufer arbeitete. Andere Angestellte fragten mich lachend, ob ich etwas getrunken hätte. Mein Vorgesetzter beklagte sich, dass ich weniger Termine mit Klienten machte und weniger Aufträge hereinbrachte. Ich erzählte ihm, dass dieses Taubheitsgefühl in meinen Beinen mich beim Autofahren behinderte und dass mir das Schreiben zunehmend schwerer fiel (ich sagte ihm nicht, dass ich fast überhaupt nicht mehr schreiben konnte). Er schien mit diesen Erklärungen nicht zufrieden. Bald danach überredete mich ein Kollege und enger Freund, noch einen zweiten Arzt aufzusuchen. Als ich in das Wartezimmer trat, schlug ich lang hin und verletzte mich am Knie. Die Arzthelferin half mir in das Sprechzimmer. Ich versuchte, alleine zu stehen und fiel wieder hin. Ich erzählte dem Arzt, daß ich stechende Krämpfe und Taubheitsgefühle in den Beinen hatte und nicht wusste, wo meine Füsse sind, ohne nach ihnen zu schauen. Der Doktor, ein Arzt für Allgemeinmedizin, bestand trotz meiner Proteste darauf, daß ich sofort ins Krankenhaus kam; er sagte, ich hätte vielleicht einen Gehirntumor Ich blieb unter der Obhut eines Ärzteteams, das von einem Neurologen geleitet wurde, sieben Tage zur Beobachtung und für medizinische Untersuchungen im Krankenhaus. In dieser Zeit verlor ich die Kontrolle über meine Gliedmassen und erlebte schwere, schmerzhafte Krämpfe. Meine Arme und Beine wurden taub. Ich konnte nicht mehr gehen. Ich erhielt intravenöse Injektionen mit ACTH, einem starken Steroid, aber sie halfen nicht; sie hielten mich nur wach und steigerten meinen Appetit auf dramatische Weise. Am Tag meiner Entlassung sagte mir der leitende Neurologe, ich litte an Multipler Sklerose. Er sagte, es gebe keine Heilung, aber Medikamente wie AGIH könnten das Fortschreiten verlangsamen. Dann bat er mich, nach Hause zu gehen und viel zu ruhen. Er gab mir einen Termin in seinem Büro - den ich nicht einhalten konnte, da ich zu schwach war, um dorthin zu gelangen. Statt dessen schickte der Arzt eine Krankenschwester, die zu uns nach Hause kam und meiner Frau zeigte, wie sie mir das AGIH injizieren konnte.
Kurz nach meiner Entlassung aus dem Krankenhaus, ich war noch bettlägerig kamen Freunde zu Besuch, und wir rauchten ein paar Hanfzigaretten. Danach fühlte ich mich besser, schrieb diesen Effekt aber dem"High"zu. Auch meine Krämpfe waren weniger stark, aber ich machte dafür die täglichen ACTH-Injektionen verantwortlich. Trotz anfänglicher Besserungen blieb ich bettlägerig und begann die Auswirkungen der hoch dosierten Steroid-Langzeittherapie bald zu spüren. Ich speicherte Wasser und quoll regelrecht auf; ich nahm in sechs Wochen hundert Pfund zu, da das ACTH mich ungeheuer hungrig machte. Nachts lag ich wach. Ich konnte mich nicht mehr konzentrieren. Meine geistige Einstellung war negativ, und ich bekam Depressionen. Nach drei Monaten intensiver Behandlung hatte sich mein Zustand kaum verbessert. Gehen konnte ich nur, wenn meine Frau mich stützte und ich zusätzlich einen Stock oder eine Gehhilfe benutzte.
Der Arzt sagte mir, ich müsste weitere drei Monate AGTH nehmen, aber die Nebenwirkungen bereiteten ihm offensichtlich Sorgen. Er warnte mich vor der Gefahr eines plötzlichen Herzanfalls oder Atemstillstands. Um den Flüssigkeitsstau zu lindern, verschrieb er ein starkes Diuretikum, von dem er wusste, daß es Nierensteine oder den Tod durch Nierenversagen hervorrufen konnte. Die Steroidtherapie half weiterhin nicht, und die unangenehmen Nebenwirkungen wurden schlimmer. Mein Gewicht stieg von 170 Pfund vor der ACTH-Einnahme innerhalb weniger Wochen nach der zweiten ACTH-Therapie auf 300 Pfund. Das Atmen wurde schwierig, da Flüssigkeit gegen meine Lungen drückte. Meine Füsse und Beine waren geschwollen, meine Kleidung passte mir nicht mehr. Ich entwickelte schwere Depressionen, die mit abrupten Stimmungsschwankungen einhergingen. Ich regte mich ohne Grund fürchterlich auf, fing plötzlich an zu weinen oder hatte Gewaltphantasien. Nach sechs Monaten spürte ich, daß ich die Kontrolle über mein Leben vollständig verloren hatte. An den seltenen sehr guten Tagen konnte ich mit der Gehhilfe durch mein Schlafzimmer schlurfen, wenn ich mich dabei an die Wand lehnte und von meiner Frau stützen liess. Selbst dann konnte ich oft nicht die Balance halten oder mein Gewicht nicht tragen und fiel hin. Die meiste Zeit lag ich im Bett. Die Krämpfe hielten an, und ich hatte keine Kontrolle mehr über meine Gliedmassen.
Als die sechs Monate vorbei waren, ging ich wieder zum Arzt und sagte ihm, mein Zustand würde sich verschlimmern. Er sagte, ich hätte sehr schlimme Multiple Sklerose und sie würde sehr schnell fortschreiten; nur AGTH könnte helfen. Er empfahl weitere drei Monate und erhöhte die Dosis um 50 Prozent. Ausserdem verschrieb er mir Schlaftabletten und Valium gegen meine Krämpfe. Ich war einverstanden, es noch einmal mit ACTH zu versuchen, änderte meine Meinung aber ein paar Tage später. Ich konnte es einfach nicht mehr nehmen. Wenn ich nur die Wahl zwischen MS oder dieser Behandlung hatte, wollte ich lieber MS haben. Als ich aufhörte, ACTH zu nehmen, konnte ich nur noch verschwommen sehen und hatte manchmal einen Tunnelblick. Ich konnte nichts fokussieren und nicht mehr lesen; die MS griff mich in völlig anderer Weise an. Mein Arzt wurde sehr besorgt und verschrieb sofort Prednison, ein starkes orales Steroid. Wieder erlebte ich wenig therapeutischen Nutzen, aber sehr viele unangenehme Nebenwirkungen, dieses Mal noch intensiver; in weniger als einem Monat hatte ich achtzig Pfund zugenommen. Aber es sollte noch schlimmer kommen. Ohne daß ich es wusste, raubten die Steroide meinem Körper das lebensnotwendige Kalium.
Eines Tages sass ich im Wohnzimmer und spürte, daß ich nicht sprechen konnte. Ich war semikatatonisch. Eines meiner Kinder kam herein und sprach mich an. Ich hörte meine Tochter sprechen, konnte sie aber nicht sehen und nicht antworten, sondern nur weinen. Meine Frau und meine Tochter brachten mich sofort in die Notaufnahme eines Krankenhauses. Ich kann mich an die Fahrt nicht erinnern; als ich ankam, wusste ich nicht, wo ich war. Ich erinnere mich daran, daß ich in einen Sessel gehievt wurde, zuerst allein dort sass und dann von fast einem Dutzend Ärzten und Krankenschwestern umgeben war, die alle durcheinander redeten. Sie stellten mir Fragen, wobei ich nicht sicher bin, ob ich sie gehört habe. Wenn ich zu antworten versuchte, konnte ich nicht sprechen. Aus den Krankenhausberichten geht hervor, daß ich an diesem Tag beinahe gestorben wäre; mein Körper hatte fast kein Kalium mehr. Ich erhielt massive Injektionen und orale Kaliumgaben.
Diese Erfahrung führte dazu, daß ich Medikamenten, Ärzten und Krankenhäusern zutiefst misstraute. Ich nahm keine Steroide mehr, jedoch weiterhin Valium® und andere stimmungsaufhellende Medikamente. Ich konnte nicht gehen, lesen oder meiner Familie Gesellschaft leisten und begann Hanf zu rauchen, um etwas gegen die Langeweile zu tun, vier bis sechs Hanfzigaretten pro Tag. Eines Abends kamen alte Freunde zu Besuch, und wir rauchten etliche Hanfzigaretten. Als sie gehen wollten, stand ich auf, um mich von ihnen zu verabschieden. Alle Menschen im Raum hörten plötzlich auf zu reden und starrten mich an. Ich merkte, daß ich spontan ohne Hilfe aufgestanden war, als ob es ganz normal wäre. Ich war verblüfft. Meine Frau und unsere Freunde waren verblüfft. Ich machte ohne Hilfe ein paar Schritte; dann gaben meine von der langen Bettlägerigkeit geschwächten Beine nach. Ich hatte gehen können! Ich fragte mich, ob es am Hanf läge und fragte meinen Arzt, der die Vorstellung verwarf und darauf bestand, daß Hanf kein wesentlichen Einfluss auf die MS hätte. Auch meine Frau war skeptisch, aber ich experimentierte weiter. Ich entdeckte bald, daß die Krämpfe häufiger und intensiver waren, wenn ich kein Hanf rauchte. Wenn ich rauchte, stabilisierte sich mein Zustand und verbesserte sich dann dramatisch. Ich konnte ohne Hilfe gehen und wieder schärfer sehen. Aber mein Arzt und meine Frau blieben skeptisch. In einem Versuch, anderen zu beweisen, was ich bereits als wahr erkannt hatte - und die Dummheit dieses Versuches ist mir heute nur allzu klar - beschloss ich, für sechs Monate mit dem Hanf aufzuhören. Sowie ich aufhörte, verlor ich wieder, was ich gewonnen hatte. Ich hatte schwere Krämpfe in den Rückenmuskeln. Nach vier Monaten hatte ich die Kontrolle über Hände, Arme, Füsse und Beine verloren. Meine tägliche Valium- dosis stieg auf 120 mg und mir wurde klar, daß ich chemisch abhängig war, süchtig. Ich hörte mit dem Valium® auf und litt unter schweren Entzugserscheinungen von dieser"unbedenklichen","medizinisch akzeptierten" Droge. Ich verlor alles Interesse am Leben; ich litt unter Schlaflosigkeit und war ständig aufgeregt; ich fiel in tiefe Depressionen, meine Stimmungsschwankungen wurden noch unvorhersehbarer und ausgeprägter; meine Krämpfe wurden sehr schmerzhaft.

Aber ich war immer noch nicht sicher, ob wirklich Hanf dafür verantwortlich war. Hanf war etwas, was ich zum Vergnügen nahm, eine soziale Droge. Ich glaubte einfach nicht, daß eine so einfache und harmlose Droge eine so überraschende Verbesserung hervorrufen könnte. Es war viel einfacher, das Offensichtliche zu ignorieren, zumal mein Arzt und meine Frau die Idee weiterhin verlachten. Um mir selbst zu zeigen, daß es nicht wirklich der Hanf war, das mir half, beschloss ich, wieder mit dem Rauchen aufzuhören. Zuerst langsam, dann immer schneller kehrten die Muskelkrämpfe zurück. Innerhalb weniger Wochen brauchte ich einen Stock, dann Krücken. Schliesslich war ich wieder bettlägerig. Nach vier Monaten beschloss ich, wieder mit dem Rauchen anzufangen. Mein Zustand stabilisierte sich sofort und begann sich dann zu verbessern. Ich war glücklich, aber auch sehr verwirrt. Dieses Muster setzte sich fort. Ich rauchte Hanf, bis mein Zustand sich verbesserte, und hörte dann auf. Aus Gründen, die ich nicht erklären kann, konnte ich nur sehr schwer glauben, daß Hanf wirklich die Ursache für diese dramatischen Veränderungen in meiner Gesundheit war.
1980 zeigte mein Bruder mir einen Zeitungsartikel über einen MS Patienten namens Sam Diana in Washington, der einen Gerichtshof davon überzeugt hatte, daß seine Verwendung von Hanf eine "medizinische Notwendigkeit" war. Erstaunt erfuhr ich, daß ich nicht der einzige MS-Patient war, dem Hanf half. Noch erstaunter war ich, als mir klar wurde, daß Ärzte, Forscher und andere MS-Patienten Mr. Diana bei seinem Prozess unterstützt hatten und daß ein Gericht zu seinen Gunsten entschieden hatte. Ich hatte nicht länger das Bedürfnis, mir oder irgend jemandem sonst zu beweisen, daß Hanf mir half; ich fing an, auf meinen Körper zu hören und rauchte wieder regelmässig.

In den letzten sieben Jahren ist meine Multiple Sklerose gut unter Kontrolle, ausser wenn mir der Hanf ausgeht und ich mir nicht genug beschaffen oder leisten kann. Die meisten MS-Patienten werden zunehmend schwächer und verkrüppeln; mein Zustand hat sich gebessert. Ich kann mit geschlossenen Augen auf einem Fuss stehen. Ich gehe völlig ohne Unterstützung. Ich kann sogar rennen! Das mag jemandem, der es nie erlebt hat, bettlägerig, schwerstbehindert und unfähig zum Sprechen oder zu einfachsten Bewegungen zu sein, unbedeutend erscheinen, aber für mich ist es ein Wunder. Darüber hinaus ermöglicht Hanf es mir, eine Erektion lange genug zu halten, um den Sexualakt zu vollziehen. Ich bin nie chemisch abhängig von Hanf geworden und habe keine Entzugssymptome, wenn ich aufhöre zu rauchen. Im Vergleich mit den Steroiden, Tranquilizern und Beruhigungsmitteln, die MS-Patienten normalerweise verschrieben werden, ist Hanf bemerkenswert harmlos und ohne Nebenwirkungen.
Mein Arzt ist erstaunt über die Verbesserung meiner Symptome. Auf einer Skala von eins bis 100 stuft er meine körperliche und geistige Gesundheit bei 95 ein. Er behauptet nicht mehr, daß Hanf nicht wirkt. Am Ende meines letzten Besuches bei ihm schaute er mir in die Augen und bat mich, bei meiner Methode zu bleiben. Was immer ich auch täte - es würde jedenfalls helfen. Ich habe nicht das Gefühl, das Gesetz zu brechen. Ich finde es nicht schön, daß ich schrecklich hohe Preise an Drogendealer bezahlen muss, um ein keiner Qualitätskontrolle unterliegendes Produkt schwankender Güte zu erhalten. Aber ich gehe, rede, lese, schreibe und sehe gern. Mein Arzt und ich erkunden nun die Möglichkeit, durch das "Härtefall- IND -Programm" von der Food and Drug Administration legalen Zugang zu Hanf zu erhalten, obwohl dafür eine extrem langwierige und komplizierte Prozedur erforderlich ist.
Die meisten MS-Patientlnnen in den Vereinigten Staaten erfahren nun durch Selbsthilfegruppen oder Hörensagen von Hanf. Viele Geschichten bezeugen die Fähigkeit dieser Pflanze, das Zittern und den Verlust der Muskelkontrolle zu lindern. Neurologen hören oft von ihren Patienten darüber. Aber die medizinische Literatur kennt nur einige wenige Fälle wie den folgenden, der 1983 berichtet wurde:
Ein dreissigjähriger Mann wies nach einer zehnjährigen Geschichte von MS mit Verschlimmerungen und Verbesserungen eine Paraparesie [ungleichmässige Lähmungen] Diplopie (Doppeltsehen, Ataxie (Koordinationsstörungen), Taubheit und Parästhesien [Kribbeln] in allen Extremitäten, Harnverhaltung, Inkontinenz und Impotenz auf. Zur medizinischen Behandlung hatten ACTH, Korticosteroide und Azathioprin gehört. Ein sehr behinderndes Zittern hatte seit mehr als einem Jahr ein ständiges Problem gebildet. An Kopf und Hals war es am heftigsten und führte besonders beim Essen zu Problemen, da es zunahm, wenn der Patient sich bemühte, Nahrung zum Mund zu führen. Es liess nach, wenn der Patient auf dem Rücken lag und sein Kopf vollständig abgestützt war; nur im Schlaf verschwand es völlig. Behandlungsversuche mit Diazepam, Alkohol, Propranolol und Physostigmin blieben ohne Ausnahme erfolglos. Vor dieser Studie war mindestens ein Jahr lang fast täglich Hanf benutzt worden, um das Zittern unter Kontrolle zu bringen, ohne daß es Hinweise für eine Abnahme der Wirkung gab. Die anfängliche Dosis von 5 mg THC führte innerhalb von 30 bis 60 Minuten zu einer Abnahme des Tremors in Kopf und Hals, die etwa sechs Stunden anhielt. Die Dosis führte zu einem sehr milden Rausch, der das Urteilsvermögen nicht zu verschlechtern schien. Eine milde Handataxie, die bei Finger-Nase-Finger-Tests auftrat, blieb wenig verändert, aber die Schreibfähigkeit des Patienten war beträchtlich verbessert [siehe Abb. 1], und seine Fähigkeit, mit einem Essbesteck umzugehen, verbesserte sich ebenfalls deutlich. Nach der Gabe von Placebokapseln trat keine Besserung auf, obwohl der Patient sich "high" fühlte. Bei zwei Gelegenheiten wiederholte Tests mit der aktiven Droge demonstrierten die Reaktion ebenfalls.14

14. D. B. Clifford,Tetrahydrocannabinol (or Tremor in Multiple Sclerosis) Annals of Neurology 13 (1 83): 669-671.

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Abbildung 1. Handschriftliche Probe und Bewegungsartefakt des Kopfes, vor und neunzig Minuten nach der Einnahme von 5 mg Tetrahydrocannabinol. Nachdruck aus D. B. Clifford. "Tetrahydrocannabinol for Tremor in Multiple Sclerosis", Annal of Neurology 13 (1983): 669-71.

Ein weiterer Bericht wurde vor kurzem von Neurologen der Universität Göttingen veröffentlicht, die feststellten, daß ein dreissigjähriger MS-Patient Hanf rauchte, um seine motorischen und sexuellen Schwierigkeiten zu behandeln. Sie führten klinische Tests, elektromyographische Untersuchungen seiner Beinreflexe und elektromagnetische Aufnahmen seines Handzitterns

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Abbildung 2. Elektromagnetische Aufzeichnung des Zitterns von Finger und Hand bei dem Versuch, auf etwas zu zeigen; am Morgen vor und am Abend nach dem Rauchen einer Hanfzigarette. Nachdruck aus H. M. Meinck, P. W Schönle und B. Conrad, "Effect of Cannabinoids on Spasticity and Ataxia in Multiple Sclerosis", Journal of Neurology 236 (1989): 12 122.

(Abb. 2) durch. Ihre Schlussfolgerung war, daß Hanf eine nähere Prüfung als Therapeutikum bei Muskelkrämpfen und Ataxien (Koordinationsverlust) verdient.15

Debbi Talshir ist eine neununddreissigjährige geschiedene Frau, die ihre Multiple Sklerose vierzehn Jahre lang mit Hanf behandelt hat. Sie erzählt ihre Geschichte:

1977 wurde bei mir Multiple Sklerose diagnostiziert. Zu den ersten Symptomen gehörte eine optische Neuropathie. Der Sehnerv verbindet Hirn und Auge, und optische Neuropathie ist ein Zerfall dieser Verbindung, was partielle Erblindung zur Folge haben kann.

15. H. M. Mcinck, P. W Schönle, and B. Conrad, Effect of cannabinoids on Spasticity and Ataxia in Multiple Sclerosis",Joumal of Neurology 236(1989): 120-122.

Zuerst erschien in meinem Sichtfeld eine grosse Wolke, und ich konnte nicht mehr so gut sehen; dann wurde die Wolke im rechten Auge schwarz.
Wegen der Neuropathie erhielt ich AGIH. Ich nahm über hundert Pfund zu, da ich Wasser staute und mein Appetit dramatisch stieg (ich hatte ständig brüllenden Hunger). Das ACTH führte auch zu Stimmungsschwankungen, die mich für meine Kolleginnen und Freunde unerträglich machten. Sie fürchteten sich sogar vor mir. Schliesslich legten sich diese Schwankungen, um jedoch anderthalb Jahre später zusammen mit der optischen Neuropathie zurückzukehren. Diesmal empfahl mir ein Kollege Hanf, und ich rauchte jeden lag ein paar Zigaretten. Ich nahm nicht zu und hatte keine Stimmungsschwankungen, und die optische Neuropathie verschwand innerhalb von drei Wochen.
Als die MS fortschritt, erhielt ich Lioresal (Baclofen) gegen die Muskelkrämpfe. Ja, es gab Nebenwirkungen: Schläfrigkeit und allgemeine Lethargie. Ich stellte fest, daß Hanf die Krämpfe stoppte und meine Muskeln entspannte, aber nicht so sehr, daß sie gebrauchsunfähig wurden. Mein Neurologe. am Massachusetts General Hospital, wo meine Diagnose zuerst gestellt wurde, und mein gegenwärtiger Neurologe hier auf Cape Cod wissen, daß ich Hanf nehme, um diese und andere Symptome in den Griff zu bekommen. Es steht auf meiner Akte, aber sie wollen [können] mir keine legalen Rezepte verschaffen - sehr entmutigend, aber im gegenwärtigen Höhepunkt des Drogenkrieges verständlich. Seit 1980 bin ich auf einen Rollstuhl angewiesen. Ich kann nur essen, wenn ich vorher Hanf geraucht habe; es entspannt die Ringmuskulatur des Magens und der Speiseröhre. Ich leide stark unter Appetitlosigkeit, aber wenn ich eine Hanfzigarette rauche, bin ich entspannt und kann mein Essen bei mir behalten. Oft habe ich Schwierigkeiten beim Atmen, Ich verstehe nicht, warum es den Atemmechanismus entspannen soll, wenn man raucht, aber bei Hanf ist es so.
Für mich ist Hanf entscheidend wichtig. Ich zittere nicht mehr, ich kann essen, ich kann atmen. Es hat eine sehr gute Wirkung auf meine neurogene Blase - eine neurologische Störung, bei der man die Kontrolle über den Schließmuskel der Blase verliert. Wenn auch nur ein Tropfen Urin in der Blase ist, verkrampft sich der Schließmuskel, und der Urin geht ab. Hanf heilt das nicht, aber es hilft. Ich rauche im allgemeinen fünf Hanfzigaretten am Tag.
Ich bin sehr wütend, daß ich mit Leuten umgehen muss, mit denen ich eigentlich nichts zu tun haben möchte, zum Beispiel mit Dealern. Ich muss auch jeden Groschen sparen, um Hanf zu erhalten, und es ist immer schwerer heranzukommen. Ich hetze herum, telefoniere und verbringe den grössten Teil meiner Zeit mit der Suche nach Hanf.

Eine Patientin, bei der sich der Verlust der Muskelkoordinationsfähigkeit als ein frühes Symptom der Multiplen Sklerose erwies, wurde uns von ihrem Psychiater vorgestellt. Er hatte seit mehreren Jahren versucht, sie von der Gewohnheit abzubringen, abends etwas Hanf zu rauchen, um ihre chronische Schlaflosigkeit zu bekämpfen. Nachdem er sie zum Aufhören überredet hatte, suchte er unseren Rat, als er erkannte, daß der Hanf die Symptome ihrer bislang undiagnostizierten Multiplen Sklerose unterdrückt hatte; die Ataxie trat auf, als sie mit dem Rauchen aufhörte und verschwand, wenn sie wieder damit anfing. Er machte sich Sorgen, weil er Hanf für sehr giftig hielt; unsere Versicherung, daß dies nicht der Fall sei, beruhigte ihn etwas. Seine Patientin erzählt ihre Geschichte:

Ich war endlich am Ziel meiner Wünsche. Was mir an Ausbildung fehlte, hatte ich durch harte Arbeit und lange Überstunden wettgemacht; dabei half mir ein Chef, von dem jede junge Geschäftsfrau träumt. Ich hatte mit einundzwanzig als schlechtestbezahlte Schreibkraft in einer kleinen Firma angefangen und war nun mit fünfundvierzig Prokuristin eines milliardenschweren Elektronikunternehmens.
Die Arbeit war schwierig, hektisch und anspruchsvoll, aber auch sehr befriedigend. Es fiel mir schwer, am Ende eines Tages zur Ruhe zu kommen, und ich stellte fest, daß ein ganz kleines bisschen Hanf vor dem Schlafengehen mir half, mich zu entspannen und einzuschlafen. 1986 rauchte ich schon seit fünfzehn Jahren und hatte keine Sorgen, daß eine so kleine Menge schädlich sein könnte. Von 1986 bis 1989 focht ich ein ständiges Scharmützel mit meinem Psychiater über dieses Thema aus. Ich spürte, daß meine Erfahrungen mit Hanf absolut positiv waren und dass irgendwelche krankmachenden Wirkungen innerhalb von fünfzehn Jahren deutlich geworden wären. Mein Arzt jedoch fand, ich sollte eine nicht geprüfte und darüber hinaus illegale Droge nicht nehmen.
Im Oktober 1989 einigte ich mich mit ihm darauf, Hanf durch Desyrel® [Trazodon, ein Antidepressivum mit sedierenden Eigenschaften] zu ersetzen. Es war zwar nicht so wirksam, und ich hatte am nächsten Morgen öfter eine Art Kater, aber ein paar Tage lang schien der Austausch akzeptabel. Am sechsten Morgen je doch merkte ich, daß ich mein Gleichgewichtsgefühl fast völlig verloren hatte. Ich konnte kaum aufrecht stehen oder ohne Hilfe gehen. Während ich zur Arztpraxis fuhr, stellte ich auch fest, daß das, was ich als meinen Autopilot bezeichne, gelöscht worden war. Tätigkeiten wie das Autofahren, die normalerweise unterbewusst ablaufen, erforderten nun bewusste gedankliche Anstrengung. Ich musste sogar neu lernen, wie der Schlüssel herumgedreht werden musste, wenn ich das Auto aufschliessen wollte. Ausserdem war ich müder als jemals zuvor.
In den nächsten sechs Wochen nahm ich überhaupt keine Medikamente, nicht einmal Aspirin, während die Ärzte mich auf jede der westlichen Medizin bekannte Krankheit untersuchten. In dieser Zeit besserten sich meine Symptome nicht. Nach den Tests erhielt ich die entsetzliche Nachricht, ich hätte Multiple Sklerose, eine unheilbare Nervenkrankheit mit wenig Aussicht auf erfolgreiche Behandlung. Obwohl ich erfahren hatte, daß MS-Symptome ohne Warnung kommen und gehen, machte mich die offensichtliche Koinzidenz stutzig, und ich fragte zögernd einen Neurologen nach Hanf. Er hielt mir einen wütenden Vortrag und gab mir die Anweisung, erst wiederzukommen, wenn ich einen Drogentest bestehen könnte. Ich konnte es dabei nicht belassen. Die Logik befahl mir, Hanf wenigstens zu probieren. Mein Arzt [der Psychiater] war immer noch dagegen, interessierte sich aber dafür, was geschehen könnte. Also beschloss ich, wieder mit Hanf anzufangen. Etwa eine Woche später bemerkte ich eine Verbesserung, und ein paar Wochen danach fühlte ich mich wieder zu 85 Prozent normal und konnte anfangen zu arbeiten.
Die Verbesserung könnte spontan erfolgt sein - Multiple Sklerose ist eine sehr merkwürdige Krankheit - aber ich wollte nichts riskieren und rauchte weiter bis zum Frühling 1990, als mir der Hanf ausging und ich mir nichts mehr besorgen konnte. Eine Woche später waren alle meine Symptome in schwerer Form wieder da.
Meine Ärzte hielten es immer noch für ein zufälliges Zusammentreffen. Ich nicht. Ich begann, im ganzen Land nach Quellen für Hanf zu suchen - und nach einem Neurologen, der wenigstens ein offenes Ohr für meine Geschichte hätte. Den Hanf fand ich; den Neurologen nicht. Da Experimente mit Hanf in den USA illegal sind, gibt es für seinen therapeutischen Wert keinen wissenschaftlichen Beweis. Und weil es keinen wissenschaftlichen Beweis für den therapeutischen Wert gibt, erlaubt die Regierung keine Experimente.
Als ich endlich von einem Freund etwas Hanf erhielt und wieder rauchen konnte, stellte sich meine normale Gesundheit nur zu 60 Prozent wieder her, und ich konnte nur noch zu Hause arbeiten. Ende 1990 wiederholte sich das Ganze, und dieses Mal erreichte ich nur 50 Prozent meines Normalzustandes. Ich konnte nicht länger als eine halbe Stunde ohne Unterbrechung arbeiten. Anfang 1991 wurde ich als 100 Prozent behindert in Rente geschickt.

Ich habe noch einen kleinen Vorrat an Hanf und fürchte mich vor dem, was geschehen wird, wenn er aufgebraucht ist. Unterdessen suche ich nach einem Neurologen, der für mich eine Härtefall-IND-Genehmigung beantragt, und ich bete darum, daß die Gesetze geändert werden. Es gibt in diesem und anderen Fällen Hinweise darauf, daß Hanf nicht nur die Symptome der Multiplen Sklerose lindert -Muskelkrämpfe, Zittern, Verlust der Muskelkoordination (Ataxie) und der Blasenkontrolle, Schlaflosigkeit - sondern auch das Fortschreiten der Krankheit verzögert. Multiple Sklerose ist eine Krankheit, die von einem verrückt gewordenen Immunsystem verursacht wird; die heute übliche Behandlung arbeitet mit Steroiden, die das Immunsystem unterdrücken. Obwohl gerauchter Hanf die Empfänglichkeit für Infektionskrankheiten offensichtlich nicht heraufsetzt, gibt es Hinweise darauf, daß THC immunsuppressive Wirkung hat. Vor diesem Hintergrund untersuchte eine Gruppe von Forschern die Fähigkeit von THC, die experimentell hervorgerufene Autoimmunenzephalitis (EAE) zu unterdrücken, eine Krankheit, die als Labormodell für Multiple Sklerose bei Meerschweinchen benutzt worden ist. Wenn die Tiere der Krankheit ausgesetzt und dann mit einem Placebo behandelt wurden, entwickelten alle schwere EAE, und mehr als 98 Prozent starben. Tiere, die THC erhielten, zeigten keine oder nur milde Symptome, und mehr als 95 Prozent überlebten. Eine Untersuchung der mit THC behandelten Tiere bewies, daß ihr Hirngewebe viel weniger stark infiziert war.

Auszug aus Marihuana: die verbotene Medizin
Dr med Lester Grinspoon
James B.Bakalar