2003/07/27 - Sonntagszeitung

Die Aargauer SVP-Grossrätin Milly Stöckli über unvermuteten Hanf in einer Liegenschaft, den Schweizer Bob Marley und Unabhängigkeit.

Milly Stöckli, was war für Sie das Wichtigste Ereignis der Woche ?
Die polizeiliche Durchsuchung meines Bauernhofes bei Benzenschwil. Gefunden wurde Hanf, den mein Mieter angepflanzt hat. Die Geschichte hat mich belustigt, weil ich null und nichts mit ihr zu schaffen habe.

Wer ist denn Ihr Mieter ? Polo Hofer oder die Kiff-Ikone Fredi Hinz, der nach « Viktors Spätprogramm » obdachlos geworden ist ?
Ein jugendlicher Polo. Oder, noch besser, eine Schweizer Neuausgabe von Bob Marley.

Einer ausländischen würde ein SVP-Politiker kaum das Wohnhaus überlassen.
Doch, aber nur, wenn sich die Person als zahlungskräftig erweist.

Wen würden Sie lieber einquartieren - einen schwarzen Afghanen oder einen grünen Libanesen ?
Das ist jetzt sicher ein Stofftest. Weil Sie mich vor die Wahl zwischen zwei Haschsorten stellen, würde ich mich vermutlich für einen gelben Türken entscheiden (lacht).

Blöd wäre, wenn der verhaschte Mieter in Ihre politische Ecke gehören würde, denn immerhin kämpfen Sie in vordester Front gegen Cannabisten.
Er denkt grün, ist aber ein angenehmer Mensch. Dass er auf Hasch steht, konnte ich nicht wissen. Rastalocken allein sind ja kein eindeutiges Indiz.

Schmeissen Sie ihn jetzt raus ?
Erst muss er aus den Ferien zurück sein. Vorverurteilt wird niemand von mir.

Was werden Sie von einem Nachmieter verlangen - Speichel- Blut- und Urinprobe ?
(lacht) Ich werde mir gelegentliche Kontrollgänge durch seine Wohnung ausbedingen, obwohl ich strafrechtlich nicht dazu verpflichtet bin. Ich bin Politikerin, nicht Dorfpolizistin.

Kürzlich haben Sie ein Haschverbot an Aargauer Schulen gefordert. Was sehen Sie bei Verstössen vor - Bildungsentzug ?
Präventive Massnahmen. Ich würde Paffer zu Arbeit mit gebrechlichen alten Leuten verpflichten, damit sie merken, wie froh man um seine Gesundheit sein sollte. Viele Jugendliche schiissed sich oft leichtfertig selber.

Soll es künftig Drogenhunde und ein morgendliches Schülerfilzen geben in den Klassenzimmern ?
Nein. Ich glaube, ein tiefer Blick in die Augen würde reichen.

In Zeiten zunehmender Jugendgewalt müssten Sie konsequenterweise auch Alkohol verdammen. Der macht ahnbar aggressiver als Cannabis.
Dazu sehe ich keine Veranlassung. Klare Vorschriften legen fest, was an wen ausgeschenkt werden darf.

Etwas blauäugig, wenn Sie denken, die würden eingehalten.
Mag sein. Aber es gibt ja auch etwas wie Eigenverantwortung.

Die müssten Sie auch Kiffern zugestehen.
Das tue ich auch, wenn die aus dem Schutzalter raus sind.

Polo Hofer hat nach eigenem Bekunden 300 Kilo Gras verfeuert in seiner Karriere. Was dagegen , dass er sich mit sowas brüstet ?
Das ist so, als würde einer erzählen, er sei schon tausendmal mit 200 über die Autobahn gedonnert. Wer das braucht, um sich stark zu fühlen, tut mir leid.

Haben Sie schon mal einen Joint geraucht ?
Nur Zigaretten, aber seit Jahren nicht mehr. Ich gönne mir als legale Droge aber gelegentlich ein Tröpfchen Wein. Wer mich für asketisch oder lustfeindlich hält, liegt falsch : Ich bin gerne ein Festvogel.

Nie Lust gehabt, als Milly the Kid gegen Gesetz und Ordnung zu opponieren ?
Damals vielleicht, als ich der Freiheits-Partei nahe stand und Ulrich Giezendanner mein politisches Vorbild war. Ich fahre einen schweren Töff, und mit dem bin ich schnell im roten Bereich. Das ist jetzt nicht politisch gemeint (lacht).

Was macht süchtiger - Hasch oder Politik ?
Beides gleich, mit dem Unterschied, dass Politik nie verboten wird. Als Nationalratskandidatin bleibe ich aber unabhängig.

INTERVIEW : ROLAND FALK