Eine Dosis Heroin ist so billig wie ein Joint

Oh und jetzt müssen alle diese Hunderttausenden Hanfkonsumenten wieder zum Dealer

SonntagsZeitung 21.08.2005

"Ein Gramm für weniger als 50 Franken Suchtexperten warnen vor Heroinschwemme"

von Andreas Kunz

Bern -Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) warnt vor einer Zunahme des Heroinkonsums. Wegen des weltweiten Überangebots ist der Preis der Droge auf unter 50 Franken pro Gramm gefallen. Wer Heroin auf einer Folie raucht, bezahlt für eine Portion noch 5 Franken. Vor dem Heroinboom Ende der Achtzigerjahre kostete die Droge bis zu 700 Franken pro Gramm.

Kosovo-albanische und türkische Drogenbanden haben den Heroinhandel nach wie vor fest im Griff. Über Istanbul, Holland oder Italien gelangt das Rauschgift zu Dumpingpreisen in die Schweiz. Asylbewerber oder süchtige Schweizer kaufen das Heroin zu 5-Gramm-Portionen à 150 Franken und verkaufen den gestreckten Stoff auf der Strasse weiter. Das Bundesamt für Polizei schätzt, dass Schweizer Heroinkonsumenten jährlich rund elf Tonnen der Droge rauchen oder spritzen. Zurzeit besteht ein starker Trend zum Folienrauchen. Rund 90 Prozent der Ware stammt aus Afghanistan, wo die Anbaufläche für Opium letztes Jahr um 64 Prozent zunahm.

«Durch diese Billigpreise wollen die Dealer das Heroingeschäft wieder ankurbeln», sagt Markus Jann, Leiter Sektion Drogen beim BAG. Zunehmend Sorgen bereitet Drogenfachleuten auch der grassierende Misch konsum dadurch könnte Heroin in der Szene bald boomen. «Je tiefer der Preis, desto grösser ist die Gefahr von Neueinsteigern», sagt Jann. Anlass zur Besorgnis gebe auch, dass das Heroinproblem aus dem Blickfeld der Öffentlichkeit verschwunden sei.

«Der Preiszerfall macht eine intensive Heroinprävention umso wichtiger», sagt FDP-Nationalrat und Präventivmediziner Felix Gutzwiller. Für SVP-Drogenpolitiker Toni Bortoluzzi trägt die auf Toleranz bedachte Schweizer Drogenpolitik dazu bei, dass der «Zugang zu harten Drogen wie Heroin erleichtert werde.

Afghanistan erntet, Europa kauft

eroin wird aus Opium gewonnen, und 90 Prozent des Opiums weltweit stammen aus Afghanistan. 2004 stieg die Produktion um 17 Prozent auf 4200 Tonnen. Die Anbaufläche der Opiumpflanze Mohn erhöhte sich gar um 64 Prozent. Die Einnahmen aus dem Drogenhandel werden auf 2,8 Milliarden Dollar geschätzt, was 60 Prozent der afghanischen Wirtschaftsleistung entspricht. Würden die Besatzer den Opiumanbau härter bekämpfen, verlören sie den Rückhalt in der Bevölkerung. 90 Prozent des Gewinns aus dem Heroinhandel erzielen jedoch die Zwischenhändler in Europa.