Metamorphosen aus Hanf geformt
Das Material, das die Künstlerin überwiegend verwendet, ist Hanf. „Es ist ein phantastisches Material“, sagt sie. „Unglaublich vielseitig, ganz weich und flexibel, aber wenn es getrocknet ist, hart und widerstandsfähig.“ Wenn man so will, ...
www.wormser-zeitung.de 19.08.2011 Von Ulrike Schäfer
AUSSTELLUNG Ute Vauk-Ogawa zeigt ab Sonntag in der Galerie des Kunstvereins ihre Installationen
„Metamorphosen“ sind Verwandlungen. Am häufigsten werden vielleicht die Entwicklungsstadien der Insekten darunter verstanden, aber der Begriff wird auch für die Veränderungen von Pflanzen und Steinen und nicht zuletzt die Verwandlung von Menschen verwendet. Der römische Dichter Ovid hat in 15 mythologischen Büchern davon erzählt. Das prägnanteste Beispiel der Moderne hat Franz Kafka geliefert.
Naturmaterial bietet viele Gestaltungsmöglichkeiten
Was hat das mit den Installationen von Ute Vauk-Ogawa zu tun, die ab Sonntag in der Galerie des Kunstvereins zu sehen sind ? Ein bisschen ahnt man es schon, wenn man die beiden Schaufenster im Hof der Renzstraße 7-9 betrachtet. Dort haben schon die sonnengelben „Tänzer“ ihren Platz eingenommen, biegsame Figuren in unterschiedlichen Körperhaltungen, sich beugend, kniend, sitzend, aufrecht schreitend, scheinbar in keiner Beziehung zueinander stehend. Was ihnen gemeinsam ist, sind die „Ausläufer“, die aus ihren Köpfen oder Händen fließen, sichtbar gemachte Einflüsse, Ausflüsse, die möglicherweise behindern, vielleicht aber auch weiten, weiterführen.
Das Material, das die Künstlerin überwiegend verwendet, ist Hanf. „Es ist ein phantastisches Material“, sagt sie. „Unglaublich vielseitig, ganz weich und flexibel, aber wenn es getrocknet ist, hart und widerstandsfähig.“ Wenn man so will, ist es der ideale Werkstoff, um Veränderungen darzustellen, manchmal sogar die zwittrige Übergangphase selbst.
Früher habe sie sich vor allem zur Natur hingezogen gefühlt, erzählt die zierliche, lebhafte Künstlerin, die in Indonesien geboren, in Birma und Afghanistan aufgewachsen ist und erst mit 17 Jahren nach Deutschland kam. Seit sie in die Großstadt, nach Berlin, gezogen sei, habe sich ihr dann das Thema Mensch geradezu aufgedrängt.
Wer sich die Installationen „Downwards“ oder „Unterwegs II“ betrachtet, spürt, dass sich hier eine existentielle Befindlichkeit ausdrückt, eine Bedrohtheit, ein (aussichtsloser ?) Kampf, der sehr nahe an Kafkas „Verwandlung“ heranreicht.
Ihre Arbeiten, so Vauk-Ogawa, zielen auf die Emotionen der Betrachter. „Natürlich habe ich ein Konzept, eine Idee, was ich umsetzen will, aber das eigentlich Spannende ist, was meine Installationen bei den Besuchern auslösen. Und sie lösen immer etwas aus“, fügt sie lächelnd hinzu, gespannt, was wohl in Worms passieren wird.