Die Wette von zwei Bauern
RIEC-SUR-BELON (29). Man kannte die Bio-Nahrung schon als letzte Eroberung im Teller des Konsumenten. Der Bio-Anbau findet heute eine neue Anwendung und kommt in einem ganz unerwarteten Gebiet wieder ans Licht: der Bau. "Essen Sie Bio, bauen Sie Bio", so lautet das Schlagwort von zwei Bauern aus Riec.
Die "grüne Bombe". Der Ruf des Hanfs hat nichts Unberechtigtes. So könnte der Fund der zwei "Geo-Tüftler" vom Bio-Gebiet gut die Wirkung einer Bombe haben, und die Welt des Baus "bestrahlen".
Stand der Dinge
Am Anfang dieses Projekts stehen Jean-Pierre Andrieux und Noël André, zwei Bauern die von dem gleichen Interesse getrieben werden, nämlich das Wiederaufleben des Bioanbaus. Einer beschäftigt sich mit dem Gebrauch von zerdrückten Pflanzen in der Isolation von Häusern. Der andere arbeitet auf einem System für das Schroten von Hanf. Vor einigen Jahren führte das Zusammenfügen von beiden Fähigkeiten, bei Kerdavid in der Gegend von Riec, zur Bearbeitung von einem neuen Isolier- und Baukonzept, gänzlich auf Hanfbasis. Die Chanvrière Du Bélon wurde geboren, und mit ihr die Ära der Bio-Bauherren.
Originelles Geschick
Es gab zu Beginn dennoch kein Wunderprodukt, direkt aus dem Laboratorium. Nur einen Rohstoff: der Hanf, eine lange Pflanze von 3 bis 4 Metern Höhe, eine der ersten, die vom Menschen angebaut wurde.
"Seine Qualitäten, die im Textil-, Papierwaren- oder Kosmetikbereich schon genutzt und anerkannt werden, hatten im Bau keine überzeugende Anwendungsmöglichkeit gefunden, erklärt Jean-Pierre Andrieux. Unsere Technik ist Bahnbrecherin in dem Sinne, dass sie die ganze Pflanze, dank einem adaptierten Verarbeitungsverfahren, nutzt."
"Man nutzt die eigentliche Stärke der Pflanze", sagt er. Fasern und Späne werden für eine bessere Bindung des Materials benutzt. Der luftige Naturkalk, der Binder, "einziges Material, das sich gut mit dem Hanf mischen lässt" fügt er hinzu, gibt der kostbaren Mischung den letzten Schliff.
Ein breites Wirkungsfeld
Vom Hersteller zum Konsumenten. Die Richtung der Firma ist eindeutig. "Das Produkt, das von einem gänzlich beherrschten Verfahren kommt, wird schlüsselfertig geliefert", will Noël André unbedingt erläutern.
Der gänzlich natürliche Isolier- und Bau-Hanf erweist sich als ungewöhnliche Kostbarkeit. "Thermische und akustische Isolation, Feuchtigkeitsregulation, unverfaulbar, dauerhaft, feuersicher, dieses Material entspricht allen Ansprüchen des modernen Komforts," setzt er fort, "und verbessert die Lebensqualität". Neubauten, Renovation von Strohhütten oder Riegewerk-Häusern, die Anwendungen sind vielfältig. Und hinzufügend: "Dieses Verfahren bewahrt die Seele und die Persönlichkeit des Gebäudes, welches renoviert wird."
Die Preise sind, von den Kosten her, auf den gewöhnlichen Gegenwert gestützt. Das seit einem Jahr betriebsbereite Auftragsbuch füllt sich allmählich.
(*) SCOP Chanvrière du Bélon, Kerampicard, 29340 Riec-Sur-Bélon. Tel : 02.98.06.45.34
Ein Anbau unter Aufsicht
Der Hanf, der die Basis des neuen Isolier- und Baukonzepts ist, hat nichts Gemeinsames mit dem indischen Hanf, welcher mit einer anderen Absicht und für jeglichen anderen Nutzen gebraucht wird, und vor allem nicht die gleichen Eigenschaften hat.
Zur aktuellen Zeit, kann nur eine Express-Sondervereinbarung mit der Gewerkschaft der Hanfbauern dem Bauern den Anbau bewilligen. Die europäische Regelung verpflichtet sie in der Tat, Samen von einer Hanf-Art zu verkaufen, von der vorschriftsmässig zugesichert wird, dass sie weniger als 0,3% THC enthält (psychoaktive Substanz). In Frankreich werden heute zirka 6000 Hektare für den Hanfanbau genutzt (gegen 17600 im letzten Jahrhundert).